Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Rock my Soul Ensemble ohne Andy Duke © Andreas Lepsi/LEPSIFOTO

ROCK MY SOUL and Clap Your Hands with the Andy Duke Collective

Reinwald Kranner, Cornelia Mooswalder, Andy Lee Lang © Andreas Lepsi/LEPSIFOTO

Eine mitreißende Revue glitzert mit Melodien aus den „Swinging Seventies“

„Lieber Gras rauchen als Heuschnupfen“, ist das lebensbejahende Motto von Conny und Ricky Richards, die mit Sharon und Vince in der Formation des ehrgeizigen Andy Duke in den 1970ern die Charts erobern. Ricky ist sogar Singer-Songwriter, vor seiner Entdeckung allerdings nur mit Gitarre vor dem Theseustempel. Success und Kohle, freier Sex der Hippie-Generation und ein Leben auf Achse zeitigen jedoch auch unerfreuliche Spuren. Getreu dem Sprichwort, wenn´s am schönsten ist, soll man aufhören, zerbricht das „Andy Duke Collective“ gerade dann, als ihnen der anfangs sperrige Plattenproduzent flacher als flach zu Füßen liegt. Wozu ein Chef, der nur das Geld einsackt und sich wie ein Diktator aufführt? In einem Anfall von Größenwahn probieren es die Vier ohne den strengen Andy Duke, der darob beleidigt Leine zieht. A la longue sind die Folgen ein verwaistes Tonstudio, der Kuckuck, den der Exekutor nolens volens aufs Klavier pickt, und vor allem Drillinge, die Mama Conny nach dem mutmaßlichen, derzeit aber unauffindbaren Vater „Andy“, „Lee“ und „Lang“ taufen ließ.

Andy Lee Lang als Andy Duke beim Wiedersehen © Andreas Lepsi/LEPSIFOTO
Stella Jones, Cornelia Mooswalder, Andy Lee Lang, Valentin Frantsits © Andreas Lepsi/LEPSIFOTO

Es ist trotzdem eine Hetz, die sich Peter Hofbauer und Markus Gull bei diesem 70er-Jahre-Musical für das Metropol ausgedacht haben. In diesen „good old days“ wurde nichts so ernst genommen, dass eine Tragödie daraus erwachsen wäre. Man hatte Schlager von den Les Humphries Singers, Boney M. und einer Reihe anderer Ohrwurmproduzenten, die das kleine, manchmal lästige Tierchen mit ihren Mitsingmelodien und zündenden Rhythmen in den Gehörgängen ordentlich tanzen ließen.

Der in diesen Tagen die Poplabel beherrschende Mix aus Rock und Soul führte geradewegs zum Titel „Rock My Soul“, das nach der Corona-bedingten Pause am 1. Oktober 2020 mit Jubel wieder aufgenommen wurde. Die Sänger und die Herren in den Nebenrollen sind durchwegs gestandene Musicaldarsteller mit knackigen Stimmen. Reinwald Kranner als verkiffter Ricky Richards und Cornelia Mooswalder als freizügige Hippiebraut Conny setzen auf Peace, Love und Flowerpower, während Stella Jones (Sharon) und Vincent Bueno (Vince) als zwei aus Linz eingeflogene Exoten dem Ensemble den letzten Drive geben. Valentin Frantsits hat als Tonmeister Bernie Berger zwar nur selten Gelegenheit zu zeigen, was in ihm steckt, wenn er aber seinen Hüftschwung hinlegen darf, ist ihm ein Sonderapplaus sicher. Stefan Altenhofer ist als Verwandlungskünstler einmal Amtsrat und Exekutor, dann wieder ätzender Schallplattenproduzent, schuhplattelnder Schwager von Bernie und nicht zuletzt eine hinreißend herrische Mama von Andy Duke. Wer sonst als Andy Lee Lang könnte wahrhaftiger sein als dieser Bandleader, der anfangs mit John-Lennon-Frisur seine Leute in blendenden Glitzergewändern (Kostüme: Ilona Glöckel) auf das Publikum loslässt.

Der Rock ´n´ Roll-Star schlüpft wie nix in die Schlagerwelt dieser unbeschwerten Jahre, in denen die Pille bereits und AIDS noch nicht erfunden war. Er ist der Boss, der sich auf seine Hausband unter Max Hagler hundertprozentig verlassen kann, wenn ihm wieder einmal ein Hit in seinen in Wahrheit kahlen Kopf geschossen ist. „Clap Your Hands“ ist angesagt, auch kräftiges Mitsingen. Ein Großteil des Publikums dürfte die Hadern noch gut genug kennen, um sich von dieser Welle aus schwungvoller Nostalgie bedingungslos mitreißen zu lassen.

Stefan Altnhofer, Valentin Frantsits © Andreas Lepsi/LEPSIFOTO
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