Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

GO WEST Country Music im Saloon beim Riesenrad

Go West, Pressefoto © Peter Burgstaller

Go West, Ensemble © Peter Burgstaller

Andy Lee Lang: Die wundersame Wandlung vom Rocker über den Blues zum singenden Cowboy

Die „Goldmine“ im Wiener Wurstelprater will nicht und nicht die entsprechenden Nuggets abwerfen. Betreiberin des unergiebigen Claims ist Dolly (Missy May), Chefin eines nicht gerade umtriebigen Personals. Die reife Maria (Tania Golden), die durch und durch einfach gestrickte Sabine (Laura Luisa Hat) mit einem reichen Fundus an Sprichwörtern und der als Folk-Sänger verkannte Johnny (Werner Auer), der sogar drei Jahre in Nashville Tennessee gewesen sein will, hängen tatenlos an der Bar herum und scheiben dort einen halblustigen Schmäh. Martin Oberhauser als windiger Manager Jacky macht das Kraut auch nicht fett. Er borgt sich lieber von Dolly deren letzten Zaster und besäuft sich mit seinen drei einzigen Freunden Johnny Walker, Jim Bim und Jack Daniels. Wenn Schurli auftaucht, ein gefährlicher Praterstrizzi, und die dort investierten Dollars zurückfordert, wird es brenzlig, denn an der Seite von Boris Pfeifer ist dessen Leibwächter Wiesel (Vincent Bueno), der wie sein Herrchen keine Brutalität scheut.

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Erdacht haben sich diese im Grund trostlose Ausgangssituation Peter Hofbauer & Markus Gull, die mit der Musik von Christian Deix ein flottes und vor allem gaudiges „Austro Western-Musical“ mit dem Titel „Go West“ geschaffen haben. Als Erlöser aus der wirtschaftlichen Misere erscheint Andy Lee Lang. Sein Gogo ist ein Rocker, dem es ebenfalls an Erfolg mangelt. Als sich darob der Blues einstellt, sucht er Hilfe bei Prof. Feiertag, einem verrückten Nervenarzt (wieder Pfeifer). In einer Rückführung in frühere Leben wird er zu Buffalo Bill, dem legendären Western-Showman, und nebenbei ein Country Sänger, der die marode Bar retten könnte.

Damit auch Love Stories nicht zu kurz kommen, gibt es noch die reizende Kärntnerin Lilly (Sarah Zippusch), die sich auf Westernsongs verlegt hat, und den zum Indianer und Blutsbruder von Gogo mutierten Südoststeirer Hannes (Sebastian Brummer mit dem Bandl in die Haar´). Mit neuen Songs von Deix und alten Hadern von STS oder Johnny Cash, versehen mit witzigen Texten, geht es schwungvoll an die Sanierung des abgebrannten Etablissements. Mit Bandleader Marcus Hagler am Keyboard begleiten vier Herren mit kräftigem Sound Gesang und Tanz auf der von Hannes Peyer als Pratersaloon gestalteten Bühne. Wird es zum High Noon zwischen Mafioso und Cowboy kommen, wenn die Turmuhr mit ihrem Tik Tak so weit ist? Wer zieht schneller? Die finale Entscheidung liegt allerdings in Frauenhänden. Maria zähmt mütterlich ihr böses Bubi Schurli und Dolly holt den infolge einer Schlägerei à la Bud Spencer und Terence Hill wieder als Rocker erwachten Gogo in ihre „Goldmine“ als Publikumsmagneten zurück, idem sie kurzerhand auf seinem Kopf eine Flasche zertrümmert.

Cowboy Andi Lee Lang © Peter Burgstaller

Cowboy Andi Lee Lang © Peter Burgstaller

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Ensemble © benjaminwald.at

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Ensemble © benjaminwald.at

LIEBESGESCHICHTEN & HEIRATSSACHEN

Nestroy gratuliert J. Strauss zum 200er

Laura Luisa Hat, Gerhard Ernst © René Brunhölzl

Laura Luisa Hat, Gerhard Ernst © René Brunhölzl

Wenn eine Posse zu einem Musical wird, das sich schwungvoll im Walzertakt dreht.

Was hätte ein solches Gespann nicht alles schaffen können?! Johann Nestroy (1801-1862) als Librettist für den Operettenkomponisten Johann Strauss Sohn (1825-1899). Es hat nicht sollen sein! Bis 2025, als Peter Hofbauer, Prinzipal im Metropol Wien, ein wenig nachgeholfen hat. Gemeinsam mit dem Musiker Florian Schäfer wurde ein Musical kreiert, das mit Themen aus Walzern und Polkas von Strauss die an Nestroy angelehnte Geschichte von den „Liebesgeschichten & Heiratssachen“ zum Singen und Tanzen bringt. Ein erster, sehr überzeugender Erfolg dieses Experiments wurde bereits mit dem Schlossfestival Weitra im Sommer gefeiert und nun mit einem begeisterten Publikum bei der Premiere in Wien prolongiert.

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Damenriege © benjaminwald.at

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Damenriege © benjaminwald.at

Andreas Peer, Andy Lee Lang © René Brunhölzl

Andreas Peer, Andy Lee Lang © René Brunhölzl

Peter Kratochvil hatte das Vergnügen, bei dieser Neuschöpfung Regie zu führen. Schließlich steht ihm eine flott aufspielende Band und ein Ensemble zur Verfügung, das neben perfektem Gesang und Tanz auch den Wiener Schmäh virtuos beherrscht. Das erklärte Ziel dieser Posse ist ja eine Art Massentrauung. Das erste, an sich logische Paar sind Alfred (Michael C. Havlicek) und die Tochter des Hausherren Valentina Fett (Katrin Fuchs), zwei junge Leute, die sich ganz natürlich ineinander verliebt haben. Das Problem: Alfred ist der inkognito anwesende hochwohlgeborene Sohn des Marchese Vincelli (Alfred Pfeifer), der einem gesellschaftlichen Abstieg schwerlich zustimmen wird. An der Lösung dieses Problems arbeitet unter anderem die Wahrsagerin Yvonne (Laura Luisa Hat), die den alten Geldsack mit ihren Reizen gekonnt umgarnt – wer kennt das nicht: Greis und junge Frau im Doppelbett. Ein schwer zu knackender Junggeselle ist der Wirt von nebenan.

Der Logik einer heiratswilligen Zofe namens Philipine (Elisabeth Blutsch) hat Andy Lee Lang (mit vollem Haar und Backenbart) jedoch keine brauchbaren Argumente entgegenzusetzen – und auch er fällt freudig in die Ehe. Ganz aufs Heiraten versessen ist die in die Jahre gekommene und steinreiche Lucdia Distel (Seraphine Rastl). Ihr Wunschkandidat ist jedoch alles andere als zuverlässig. Der wie Nosferatu durch die Szene staksende Andreas Peer stellt sich der Dame als Baron von Nebelstern vor, bleibt aber der undurchsichtige Nebel, der die Zeche schuldig bleibt und mit Betrügereien an das große Geld zu kommen meint. Im Zentrum dieser Farce steht Florian von Fett, ein durch die Selcherei zu Vermögen gekommener Neureicher. Wer sonst könnte den Parvenü mit dem Sauschädel im Wappen würdiger vertreten als Gerhard Ernst, dank TV-Werbung bekannt als Fleischermeister der Nation. Wenn er auch die Liebe so unnötig wie einen Kropf betrachtet, so erkennt er doch die praktischen Seiten des Ehestandes und erbarmt sich seiner Schwägerin Lucia, um damit das in Heiratssachen willige Quartett zu komplettieren.

Katrin Fuchs © benjaminwald.at

Katrin Fuchs © benjaminwald.at

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