Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Lumpazivagabundus, Ensemble © Theaterverein Wiener Metropol

Lumpazivagabundus, Ensemble © Theaterverein Wiener Metropol

LUMPAZIVAGABUNDUS Nestroys Posse in der Hernalser Fassung

Andy Lee Lang als Lumpazivagabundus © Wiener Metropol / Rene Brunhölzl

Andy Lee Lang als Lumpazi © Wiener Metropol / Rene Brunhölzl

Viel Musik beim Ringen um den Gewinn einer sonderbaren Wette

Kann Geld glücklich machen? Fortuna, die dafür zuständige Fee, ist davon überzeugt. Aber sie verfällt dem Irrtum, dass man damit Menschen moralisch bessern kann. Anders ist die Wette mit dem umtriebigen bösen Geist Lumpazivagabundus nicht zu erklären. Sie will bekanntlich das liederliche Kleeblatt mit Reichtum überschütten und so auf den Pfad der Tugend führen. Sollte ihr das nicht zumindest mit zwei davon gelingen, hätte Lumpazi gewonnen. Der kann darüber nur lachen, weil er die Verderbtheit seiner Freunde zu kennen glaubt. Das Happy End eines auf allseitige Hochzeiten versessenen Nestroy ist an sich bekannt, da dessen Zauberposse zu den meist gespielten Stücke auf unseren Bühnen zählt. Peter Hofbauer vom Metropol Wien hat in die Handlung eingegriffen und den Ausgang der Wette zu einem zäh erkämpften und nicht gerade nachvollziehbaren Zwei zu Eins für Fortuna umgeschrieben. Dazu kommt die in diesem Etablissement erwartete Live-Musik, für die neben dem Filmschlager aus 1936 „Wozu ist die Straße da, zum Marschieren“ unter dem bewährten Motto „Nestroy im 3/4 Takt“ bodenständige Melodien von Carl Michael Ziehrer die Songs begleiten.

Lumpazivagabundus, Ensemble © Theaterverein Wiener Metropol

Lumpazivagabundus, Ensemble © Theaterverein Wiener Metropol

Lumpazivagabundus, Ensemble © Theaterverein Wiener Metropol

Lumpazivagabundus, Ensemble © Theaterverein Wiener Metropol

Vom erfolgreichen Schloss Weitra Festival 2026 ist die Produktion nun nach Wien übersiedelt. Neben der Bühne werkt die Band unter der Leitung von Florian Schäfer. Die Tonanlage ist kräftig aufgedreht und füllt den von gusseisernen Säulen getragenen Saal. Regisseur Peter Kratochvil setzt beim Wechsel der Schauplätze auf gefällige Projektionen und ein Feenreich, in dessen Wolken die Geister ihre seltsame Wette abschließen. Mit mächtig sonorer Stimme herrscht dort oben Stellaris (Nikolaus Raspotnik im irdischen Beruf gütiger Tischlermeister namens Hobelmann). Bei ihm beschwert sich Tania Golden als Fortuna, erkennbar an einem Füllhorn, über den Ungeist Lumpazivagabundus. Kaum genannt, kommt er schon gesprungen. Andy Lee Lang bestimmt von nun an das Geschehen. Er wirbelt spielerisch durch die beiden Welten und darf dabei recht g´scheite Ansichten von sich geben. Ein routinierter Verführer kennt eben seine Schäfchen.

Bei den drei Handwerksburschen scheint er zumindest in zwei Fällen leichtes Spiel zu haben. Schuster Knieriem ist ein unheilbarer Alkoholiker, den Martin Muliar überzeugend zur Flasche greifen und den Kometen in „Die Welt steht auf kan Fall mehr lang“ kritisch-witzig einschlagen lässt. Florian Stanek ist der tanzwütige Weiberheld Zwirn, dessen Eitelkeit den Schneider schließlich sein Vermögen kostet. Dass Lumpazi am liebeskranken Leim (Aris Sas) scheitern würde, ist von vornherein klar. Wenn der sein Herzblatt heiraten darf, ist er ein solider Tischlermeister, der alles daransetzen wird, um seine beiden Freunde zu bekehren. Erfrischende Spiellaune zeigen auch die übrigen Beteiligten, die in mehreren Rollen die an sich umfangreiche Besetzung bestreiten. So ist Birgit Scheibenreif als Peppi, Camilla und Hanni zugange, Laura Luisa Hat als Anni, Amalie Strudl und Laura und nicht zuletzt Michael Konicek, dessen Kammerdiener zwar nicht Französisch kann, der aber als Wirt, dicker Strudel und sogar in der Verkleidung einer Fee Bella Figura macht.

Andy Lee Lang (Lupmazivagabundus), Tania Golden (Fortuna), Nikolaus Raspotnik (Stellaris)

Andy Lee Lang (Lupmazivagabundus), Tania Golden (Fortuna), Nikolaus Raspotnik (Stellaris) © Theaterverein Wiener Metropol

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

GO WEST Country Music im Saloon beim Riesenrad

Go West, Pressefoto © Peter Burgstaller

Go West, Ensemble © Peter Burgstaller

Andy Lee Lang: Die wundersame Wandlung vom Rocker über den Blues zum singenden Cowboy

Die „Goldmine“ im Wiener Wurstelprater will nicht und nicht die entsprechenden Nuggets abwerfen. Betreiberin des unergiebigen Claims ist Dolly (Missy May), Chefin eines nicht gerade umtriebigen Personals. Die reife Maria (Tania Golden), die durch und durch einfach gestrickte Sabine (Laura Luisa Hat) mit einem reichen Fundus an Sprichwörtern und der als Folk-Sänger verkannte Johnny (Werner Auer), der sogar drei Jahre in Nashville Tennessee gewesen sein will, hängen tatenlos an der Bar herum und scheiben dort einen halblustigen Schmäh. Martin Oberhauser als windiger Manager Jacky macht das Kraut auch nicht fett. Er borgt sich lieber von Dolly deren letzten Zaster und besäuft sich mit seinen drei einzigen Freunden Johnny Walker, Jim Bim und Jack Daniels. Wenn Schurli auftaucht, ein gefährlicher Praterstrizzi, und die dort investierten Dollars zurückfordert, wird es brenzlig, denn an der Seite von Boris Pfeifer ist dessen Leibwächter Wiesel (Vincent Bueno), der wie sein Herrchen keine Brutalität scheut.

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Go West, Ensemble © Rene Brunhölzl

Erdacht haben sich diese im Grund trostlose Ausgangssituation Peter Hofbauer & Markus Gull, die mit der Musik von Christian Deix ein flottes und vor allem gaudiges „Austro Western-Musical“ mit dem Titel „Go West“ geschaffen haben. Als Erlöser aus der wirtschaftlichen Misere erscheint Andy Lee Lang. Sein Gogo ist ein Rocker, dem es ebenfalls an Erfolg mangelt. Als sich darob der Blues einstellt, sucht er Hilfe bei Prof. Feiertag, einem verrückten Nervenarzt (wieder Pfeifer). In einer Rückführung in frühere Leben wird er zu Buffalo Bill, dem legendären Western-Showman, und nebenbei ein Country Sänger, der die marode Bar retten könnte.

Damit auch Love Stories nicht zu kurz kommen, gibt es noch die reizende Kärntnerin Lilly (Sarah Zippusch), die sich auf Westernsongs verlegt hat, und den zum Indianer und Blutsbruder von Gogo mutierten Südoststeirer Hannes (Sebastian Brummer mit dem Bandl in die Haar´). Mit neuen Songs von Deix und alten Hadern von STS oder Johnny Cash, versehen mit witzigen Texten, geht es schwungvoll an die Sanierung des abgebrannten Etablissements. Mit Bandleader Marcus Hagler am Keyboard begleiten vier Herren mit kräftigem Sound Gesang und Tanz auf der von Hannes Peyer als Pratersaloon gestalteten Bühne. Wird es zum High Noon zwischen Mafioso und Cowboy kommen, wenn die Turmuhr mit ihrem Tik Tak so weit ist? Wer zieht schneller? Die finale Entscheidung liegt allerdings in Frauenhänden. Maria zähmt mütterlich ihr böses Bubi Schurli und Dolly holt den infolge einer Schlägerei à la Bud Spencer und Terence Hill wieder als Rocker erwachten Gogo in ihre „Goldmine“ als Publikumsmagneten zurück, idem sie kurzerhand auf seinem Kopf eine Flasche zertrümmert.

Cowboy Andi Lee Lang © Peter Burgstaller

Cowboy Andi Lee Lang © Peter Burgstaller

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Ensemble © benjaminwald.at

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Ensemble © benjaminwald.at

LIEBESGESCHICHTEN & HEIRATSSACHEN

Nestroy gratuliert J. Strauss zum 200er

Laura Luisa Hat, Gerhard Ernst © René Brunhölzl

Laura Luisa Hat, Gerhard Ernst © René Brunhölzl

Wenn eine Posse zu einem Musical wird, das sich schwungvoll im Walzertakt dreht.

Was hätte ein solches Gespann nicht alles schaffen können?! Johann Nestroy (1801-1862) als Librettist für den Operettenkomponisten Johann Strauss Sohn (1825-1899). Es hat nicht sollen sein! Bis 2025, als Peter Hofbauer, Prinzipal im Metropol Wien, ein wenig nachgeholfen hat. Gemeinsam mit dem Musiker Florian Schäfer wurde ein Musical kreiert, das mit Themen aus Walzern und Polkas von Strauss die an Nestroy angelehnte Geschichte von den „Liebesgeschichten & Heiratssachen“ zum Singen und Tanzen bringt. Ein erster, sehr überzeugender Erfolg dieses Experiments wurde bereits mit dem Schlossfestival Weitra im Sommer gefeiert und nun mit einem begeisterten Publikum bei der Premiere in Wien prolongiert.

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Damenriege © benjaminwald.at

Liebesgeschichten & Heiratssachen, Damenriege © benjaminwald.at

Andreas Peer, Andy Lee Lang © René Brunhölzl

Andreas Peer, Andy Lee Lang © René Brunhölzl

Peter Kratochvil hatte das Vergnügen, bei dieser Neuschöpfung Regie zu führen. Schließlich steht ihm eine flott aufspielende Band und ein Ensemble zur Verfügung, das neben perfektem Gesang und Tanz auch den Wiener Schmäh virtuos beherrscht. Das erklärte Ziel dieser Posse ist ja eine Art Massentrauung. Das erste, an sich logische Paar sind Alfred (Michael C. Havlicek) und die Tochter des Hausherren Valentina Fett (Katrin Fuchs), zwei junge Leute, die sich ganz natürlich ineinander verliebt haben. Das Problem: Alfred ist der inkognito anwesende hochwohlgeborene Sohn des Marchese Vincelli (Alfred Pfeifer), der einem gesellschaftlichen Abstieg schwerlich zustimmen wird. An der Lösung dieses Problems arbeitet unter anderem die Wahrsagerin Yvonne (Laura Luisa Hat), die den alten Geldsack mit ihren Reizen gekonnt umgarnt – wer kennt das nicht: Greis und junge Frau im Doppelbett. Ein schwer zu knackender Junggeselle ist der Wirt von nebenan.

Der Logik einer heiratswilligen Zofe namens Philipine (Elisabeth Blutsch) hat Andy Lee Lang (mit vollem Haar und Backenbart) jedoch keine brauchbaren Argumente entgegenzusetzen – und auch er fällt freudig in die Ehe. Ganz aufs Heiraten versessen ist die in die Jahre gekommene und steinreiche Lucdia Distel (Seraphine Rastl). Ihr Wunschkandidat ist jedoch alles andere als zuverlässig. Der wie Nosferatu durch die Szene staksende Andreas Peer stellt sich der Dame als Baron von Nebelstern vor, bleibt aber der undurchsichtige Nebel, der die Zeche schuldig bleibt und mit Betrügereien an das große Geld zu kommen meint. Im Zentrum dieser Farce steht Florian von Fett, ein durch die Selcherei zu Vermögen gekommener Neureicher. Wer sonst könnte den Parvenü mit dem Sauschädel im Wappen würdiger vertreten als Gerhard Ernst, dank TV-Werbung bekannt als Fleischermeister der Nation. Wenn er auch die Liebe so unnötig wie einen Kropf betrachtet, so erkennt er doch die praktischen Seiten des Ehestandes und erbarmt sich seiner Schwägerin Lucia, um damit das in Heiratssachen willige Quartett zu komplettieren.

Katrin Fuchs © benjaminwald.at

Katrin Fuchs © benjaminwald.at

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