Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Otto Schenk als Baby Illustration aus dem besprochenen Buch

SCHENK DAS BUCH Unser aller Otti vom Baby bis zum weisen Alten

Otto Schenk kein Blick zurpck im Zorn Illustration aus dem besprochenen Buch

Bekannte und weniger bekannte Seiten eines „liebbaren“ Menschen

„Ein intimes Lebensbild“ hat der Molden Verlag als Untertitel zum jüngsten Buch über und von Otto Schenk gewählt, nachdem in Versalien mit „SCHENK DAS BUCH“ ein Wortspiel betrieben wird, um sowohl das Hauptthema als auch die entsprechende Freizügigkeit eines potentiellen Käufers anzusprechen. Aber eins kann man garantiert nicht: Sich Schenk schenken! Dazu ist uns dieser Mann, der sich nicht nur auf einen genialen Komiker festlegen lässt, sondern u. a. als erfolgreicher Opernregisseur, geliebter Vorleser und nun auch als zum Nachdenken anregender Philosoph Großes geleistet hat, einfach zu wichtig.

 

Sein lebenslanger Freund Michael Horowitz hat ihm neben dem Titelfoto dazu mehr als ein Vorwort, eher einen Versuch, dessen komplexe Persönlichkeit zu umreißen, gewidmet, betitelt mit: „Von Herrenpilzen, Hundeliebe und der höheren Kunst des Blödelns“.

Schenk das Buch Cover

Otto Schenk, nicht der Schenk, sondern unser aller Otti, wird darin von seiner absolut privaten Seite gezeigt, muss es sich gefallen lassen, als Pantoffelheld, Phlegmatiker, Misanthrop, ja mehr noch, als Menschenfresser bezeichnet zu werden. Mit dem Resümee: Alle diese scheinbar negativ besetzten Begriffe machen deutlich, was Intendant Hellmuth Matiasek bei der Verleihung des Karl Valentin Ordens in den Worten dieses bayerischen Komikers über ihn gesagt hat: „So ein Mensch, der anderen Menschen gezeigt hat, was ein Mensch ist.“

Otto Schenk mit Renée auf dem Markusplatz Ill. aus dem besproch. Buch

Otto Schenk, der den zweiten Teil des relativ kurzen Textes selbst beigesteuert hat, gibt selber zu, ein Kannibale zu sein, wenn er auf sein Leben zurückblickt. Damit ist nicht seine Lust am Gulaschkochen gemeint, das wohl auch bei ihm aus Wadschunken vom Rind hergestellt wird. Seine unverzichtbare Nahrung sind die Menschen, die er mit seinem Können erfreut. Dabei räsoniert er mit überraschenden Erkenntnissen über die Kunst, wie man es trotzdem schafft, die Menschen zum Lachen zu bringen. „Wenn einer ein glückliches Gesicht macht, möchte ich ihm schon eine Watschen geben“, ist eine an Schauspielschüler gerichtete Warnung, doch zu beherzigen, dass Komödie und Tragödie Zwillingsschwestern sind.

 

Wie sehr ihn diese Dualität von komischem Granteln und ernsthaftem Lachen ein Leben lang, vom Babyalter an bis zu seinen nunmehr neunzig Jahren geprägt hat, beweist der umfangreiche Bildteil. Mit ausführlichen Kommentaren versehen begleiten Fotos Otto Schenk zu den wichtigsten Stationen seines Daseins.

Sie verfolgen ihn hemmungslos bis in äußerst private Situationen und geben ihm noch einmal Gelegenheit, mit vielen der Weggefährten seines reichen Bühnenlebens gemeinsam aufzutreten. Warum uns ein solches „Familienalbum“ berührt? Weil es über das Streben nach Wirkung die Wahrhaftigkeit widerspiegelt. Sie hat stets das Spiel von Otto Schenk dominiert, auch bei seinem berührenden Auftritt als alter Diener Firs in Tschechows „Der Kirschgarten“ in der Josefstadt. Wenn er in der letzen Szene bemerkt, dass man ihn allein zurückgelassen hat und er sich nach einem leisen „Macht nix!“ zum Sterben hinlegt, dann sind mit Garantie jedem Zuschauer die Tränen im Gesicht gestanden.

 

Zeitgeschichte einmal anders: Karikaturen aus Österreich

Ist Karikatur Kunst? Warum nicht?

Wieder steht man vor der großen, noch nie zufriedenstellend beantworteten Frage: Was ist Kunst? Jeder, der sich auf diesem Feld betätigt, macht diesen Begriff für sich geltend – und bestreitet vehement, dass alles andere ebenso Kunst sei. Die einzigen Künstler, die so gar nicht auf ihr Künstlersein pochen, sind die Karikaturisten. Sie sehen sich als Chronisten der Zeitgeschichte, was sie auf das Papier zaubern, ist voller Inhalt und verständlich, und das Schlimmste überhaupt, sie bringen die Menschen (mit Ausnahme der meisten ihrer Modelle) zum Lächeln. So was kann doch nicht Kunst sein!

Illustrationen aus dem Buch ALLES BESTENS © Molden Verlag

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Ein Blick in das nun im Molden Verlag erschienene Buch gibt ganz allein von sich aus eine Antwort, oder mit den Worten der Herausgeberin Maria Schuster in der Einführung fein ausgedrückt: Wie für jedes andere Kunstwerk braucht es für eine Karikatur eine künstlerische Ebene sowie die Fertigkeiten und Werkzeuge eines Künstlers. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Künstler (mit dieser Anrede fühlt sich hoffentlich keiner der Karikaturisten herabgesetzt) in wenigen Federstrichen oder in aufwändig altmeisterlicher Technik seine Opfer aufzuspießen versteht.

ALLES BESTENS ist der Titel und allein diese beiden Wörter sind schon Satire, zumal sie sich auf Österreich beziehen und es sich bei den Helden auf den Illustrationen zu größten Teil um Politiker seit den 1960er Jahren handelt. Viele von ihnen, und es soll da keinem Ungustl durch Nennung seines Namens zu viel Ehre widerfahren, kennt man in den dargestellten Posen. Ihre (satirischen) Porträts waren einst Tagesgespräch, ob mit falschem Sixpack oder Vampirzähnen, und sie, die Bilder, kommen nun, nachdem man das tagespolitische Drumherum vergessen hat, recht gut mit sich selbst zurecht.

 

ALLES BESTENS kann durchaus aber auch ernst gemeint sein. Das Buch ist tatsächlich eine umfassende, und vor allem eine sehr g´scheite Rückschau auf die jüngere Karikaturgeschichte Österreichs. Die Meister der Zunft, ihr Werkzeug und ihre Techniken werden vorgestellt. Zudem verfolgt es die Historie dieser Kunstgattung zurück bis an seine Anfänge im Italien des 16. Jahrhunderts und versucht sich erfolgreich an einer Definition der Karikatur. Keine Angst, der Text ist kurz und auch für Lesefaule zu bewältigen. Der viel größere Rest sind einfach Bilder, oder anders gesagt, Zeitgeschichte in seiner präzisesten und gleichzeitig unterhaltsamsten Form.


Maria Schuster (Hg.) ALLES BESTENS Karikaturen & Cartoons aus Österreich.

Molden Verlag 2012. ISBN 978-3-85485-313-8,

Preis €25,-


 

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