Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Enrique Gasa Valga Dance Company © Mariu Müller

Enrique Gasa Valga Dance Company © Mariu Müller

VIVA LA VIDA Getanzte Tagebücher von Frida Kahlo

Viva la Vida, Solistinnen © Mariu Müller

Viva la Vida, Solistinnen © Mariu Müller

Ein Ballett voller Emotionen und Leidenschaft als Verbeugung vor einer großen Künstlerin

Das Leben hat es mit der Frida Kahlo nicht gut gemeint. Mit sechs erkrankte sie an Kinderlähmung, von der eine Beeinträchtigung ihres linken Beines blieb. Mit 18 wurde sie im Zuge eines Autobusunfalls schwer verletzt und ihr Körper lebenslang davon gezeichnet. Sie verstarb mit nur 47 Jahren, nachdem man ihr ein Bein amputiert hatte und sie an den Rollstuhl gefesselt war. Geblieben waren ihr die Hände, mit denen sie malte, und eine ungebrochene Lust am Dasein, wenngleich die Liebe so manche Streiche spielte und sie einmal sagen ließ: „Es gab zwei große Unfälle in meinem Leben. Einer war der Bus, der andere Diego. Diego war mit Abstand der schlimmste.“ Neben ihrem geliebten Vater war der Maler Diego Rivera ihr Lebensmensch, der sie unter anderem mit ihrer eigenen Schwester betrog, aber dennoch bis am Schluss an ihrer Seite verharrte.

Viva la Vida, Solistinnen © Mariu Müller

Viva la Vida, Solistinnen der Enrique Gasa Valga Dance Company © Mariu Müller

Viva la Vida, Solist © Mariu Müller

Viva la Vida, Solist der Enrique Gasa Valga Dance Company © Mariu Müller

Vielleicht ist das Faszinierende an dieser Produktion der krasse Gegensatz, wenn die Tagebücher einer in der Bewegung behinderten Frau von der Enrique Gasa Valga Dance Company von einem schwerelosen Ballett umgesetzt werden. In klar choreographierten Szenen werden die wesentlichen Stationen des Lebens von Frida Kahlo erzählt. Die Heldin selbst wird von zwei Tänzerinnen dargestellt. Lara Brandi und Alice Amorotti verkörpern den inneren Zwiespalt dieser Frau, die auf der einen Seite ungemein stark war, sich politisch engagierte und nebenbei bei einem Aufenthalt in Paris ein sexuelles Verhältnis mit Josephine Baker (Oumy Cisse) und daheim mit dem im Exil befindlichen Revolutionär Leo Trotzki (Mitsuru Ito) einging.

Dem gegenüber steht ihre Verletzlichkeit, die sie in ihren vielen Selbstporträts sichtbar gemacht hat, als Ausdruck seelischer Einsamkeit und schwer lastender Depressionen. Wie Kommentare erscheinen die Lieder, die von Greta Marcolongo mit gewaltiger Stimme zu den Tanzeinlagen gesungen werden. Großteils sind sie in Spanisch wie „La Cucaracha“ oder „Voy a dormir“. In Frankreich ertönt „Sous le ciel de Paris“, im politischen Kampf auf gut Deutsch die „Moritat von Mackie Messer“ und ebenfalls in Deutsch das tief berührende „Der Tod, das ist die kühle Nacht“ beim Ableben ihres Vaters (Martin Segeda). Gabriel Marseglia tanzt Diego Rivera, Sayumi Nishii den Tod und Camilla Danesi ihre Schwester. Für die Musik sorgt ein Quartett, das zwischen Mariachi und der Steppeinlage „Puttin´ on the Ritz“ so ziemlich alle Richtungen dieses Genres virtuos drauf hat. Kahlos letztes Gemälde zeigt prächtige Wassermelonen und als Signatur unter anderem den heiteren Abschiedsgruß ans Leben: „Viva la Vida“, der als Motto über diesen „Tribute to Frida Kahlo“ gesetzt wurde.

Viva la Vida, Solistin der Enrique Gasa Valga Dance Company © Mariu Müller

Viva la Vida, Solistin der Enrique Gasa Valga Dance Company © Mariu Müller

Limonada Enrique Gasa Valgda Dance Company Logo

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

YAMATO Das Geheimnis der Trommler aus Japan

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

Hinotori – eine mitreißende Show zwischen tiefgründiger Tradition und humoriger Gegenwart

Wenn die Frauen und Männer in tradituionellen Kostümen mit einem Gewitter an Schlägen über die Bühne wirbeln, an der Seite die Trommel eng mit ihrem Körper verbunden, meint man, die Dämonen eines Buddha-Tempels seien entkommen, so unheimlich nimmt sich diese artistische Darbietung aus. Vom größten Instrument von der Mitte aus wummert das dumpfe Gerüst, das von einem dichten Teppich an helleren streng rhythmischen Geräuschen gefüllt wird. Zu erleben sind die Taiko-Virtuosen von Yamata, eine japanische Truppe unter Masa Ogawa, der diese Formation 1993 gegründet hat. Er hat die bis dahin eher konservative Kunstform für eine neue und vor allem visuelle Richtung geöffnet. Zur beinahe heiligen japanischen Tradition der Trommeln wurden Spaß und zeitgenössische Beats gemischt, die zusammen eine begeisternde Show ergeben. Die Musiker sind damit längst zu Stars geworden, die mit ihrem Können das Publikum auf der ganzen Welt begeistern.

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

Yamato, Szenenmotiv © Hirohsi Seo

Bis 22. Dezember 2024 gastiert Yamata unter dem Motto „Hinotori – Die Flügel des Phönix“ im MuseumsQuartier Halle E. Die Philosophie dahinter ist das Auskosten purer Energie, die bei einem ihrer Auftritte auch in größtem Maß erforderlich ist. So ist zu erfahren, dass das Training jeden Tag um 6.30 Uhr mit einem 10-Kilometerlauf beginnt und mit Kraftübungen wie dem Stemmen der Shime-Daikos (eine bestimmte Form der Trommel) fortgesetzt wird. Pro Show verschwitzt ein Trommler zwischen zwei bis drei Kilogramm seines Körpergewichts.

Es wundert deswegen niemanden, dass bis zu 200 Trommelstöcke im Jahr dabei zerbrechen. Die Arbeitsgeräte selbst sind teilweise mehr als 400 Jahre alt, also Klassiker des archaischen Schlagzeugs. Die Grundmaterialien sind Holz für den Korpus und die Haut von Kühen für das Fell. Die größte der Trommeln, die Odaiko, hat einen Durchmesser von 1,70 Metern und wiegt circa 500 Kilogramm. Das ehrwürdige Instrument wurde aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt. Mit diesem Wissen ausgestattet, lässt man sich einfach in die von den Trommeln erzeugte Kulisse fallen, traut weder Ohren noch Augen, wenn man beobachtet, was menschliche Hände zu leisten imstande sind, die bis zu 500 Schläge pro Minute schaffen, und genießt mit einem Lächeln den Humor, der das Auditorium zu klatschenden Mitwirkenden einlädt. Das Ensemble beherrscht auch zarte Saiteninstrumente wie die langhalsige Shamisen oder die Koto, eine gewölbte Zither. Deren feine Klänge, eingebettet in das martialische Trommeln, malen ein faszinierendes, vor allem aber vielsagendes Bild aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Yamato, Szenenmotiv © LuciÎnne van der Mijle

Yamato, Szenenmotiv © LuciÎnne van der Mijle

Yamato Plakat © ATG Touring GmbH