Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


DA JESUS UND SEINE HAWARA Nix fia Kerzlschlicka, so a Evangölium

Peter Havlicek, Marcus Strahl, Claudia Rohnefeld © Mario Reiner

Peter Havlicek, Marcus Strahl, Claudia Rohnefeld © Mario Reiner

Huachts her, es Wappla, wos eich da Christus sogn wü!

Wolfgang Teuschl reiht sich in die Reihe der großen Bibelübersetzer. Unbekannt ist, wer die Itala ins Lateinische übertragen hat, vom heiligen Hieronymus stammt die Vulgata und von Martin Luther die populärste deutsche Fassung des Neuen Testaments. Teuschl hat 1971 das Evangelium auf Wienerisch niedergeschrieben und damit ein Beben in kirchlichen Kreisen ausgelöst. Wie kann man nur so hehre heilige Worte im Dialekt hersagen?! Ist das nicht pietätlos, wenn nicht gar Blasphemie? „Keineswegs!“ befanden schon damals maßgebliche Autoritäten (z.B. Franz Kardinal König). Man braucht nur hineinzulesen, um nach wenigen Seiten draufzukommen, dass manches in der Mundart plötzlich klar wird, worüber sich Theologen Jahrhunderte lang gestritten haben.

Wenn sie so wie wir reden, dann werden Jesus und seine Apostel aus ihrer Vergoldung heraus- und von den Sockeln der Altäre herabgeholt, direkt zu uns Menschen, die sich an solch Froher Botschaft erbauen dürfen.

 

Den Beweis dafür tritt die Neue Bühne Wien an, wenn sie „Da Jesus und seine Hawara“ in einer Lesung mit Musik präsentiert (derzeit bis 17. Dezember 2022 im Theater Center Forum III). Prinzipal Marcus Strahl hat das Wienerische perfekt drauf. Passend zum nahen Weihnachtsfest erzählt er die Ereignisse rund um die Geburt Jesu, als wäre es eine Predigt in einem Beisl im 16. Hieb. Es darf gelacht werden, wenn bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt wird und der Bräutigam z´samm g´schissen wird, weil er den Tschecheranten den Brünnerstrassler vor dem Gumpoldskirchner serviert hat. Um die heiter besinnlichen Texte sickern zu lassen, begleitet Peter Havlicek auf der Kontragitarre virtuos Claudia Rohnefeld zu Wiener Liedern neueren Zuschnitts, geschaffen von Barden, die es verstanden haben, Jazz und Wiener G´miat in ätzende Texte und schräge Harmonien genial zu verschmelzen.

Marcus Strahl bei der Verkündigung der Frohen Botschaft aus Wienerisch © Mario Reiner

Marcus Strahl bei der Verkündigung der Frohen Botschaft aus Wienerisch © Mario Reiner

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