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 Ausstellungsansicht „Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft“ © NHM, Christina Rittmannsperger

DER MOND Unser kosmischer Begleiter, zum Angreifen nah!

 Ausstellungsansicht „Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft“ © NHM, Christina Rittmannsperger

50 Jahre nach der ersten Landung ungebrochen groß: Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft

Dank Luke Jerram braucht man kein Fernrohr, um die unzähligen Krater auf dem von Meteoriteneinschlägen malträtierten Gesicht unseres lieben Mannes im Mond bestaunen zu können. Der englische Künstler hat den Erdtrabanten zu einem Ballon im Maßstab 1:500.000 verkleinert; gerade groß genug, um in einem Saal des Naturhistorischen Museums Platz zu haben. Er ist zweifellos eine der beeindruckendsten Attraktionen einer an mondhellen Highlights reichen Ausstellung, die anlässlich des 50. Jubiläums der ersten bemannten Mondlandung gestaltet wurde und bis 1. Juni 2020 zu erleben ist. Die umfangreiche Thematik drückt allein schon der Titel „Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft“ aus. Bereits auf den ersten Schritten fesseln alte Mondkarten, Globen, historische Bücher und frühe cineastische Träume von einer Mondfahrt die Blicke der Besucher. Ein historisches und ein speziell von Science Pool angefertigtes Tellurium (Planetenmaschine) macht begreifbar, wie es hergeht, dass sich der Mond während seiner Umlaufbahn einmal um die eigene Achse dreht.

 Virtual Reality-Installation Ausstellungsansicht © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

Deswegen bekommen wir immer nur eine Seite von ihm zu sehen. Diese Grunderkenntnis wäre aber einem Spezialisten wie Generaldirektor Christian Köberl zu karg. Ihm und seinen Mitarbeitern ist es darum gegangen, zu dieser Materie breites Wissen zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken. Durch die Kombination aus romantischer Sehnsucht, aktueller Kunst und spielerischem Zugang zur Wissenschaft wurde der Mond im wahrsten Sinn des Wortes zur Erde geholt. An einer interaktiven Station kann ein Stück Mondgestein, das durch einen großen Impakt vom Mond zur Erde geschleudert wurde, berührt werden und so die 384.400 km Entfernung zumindest emotional überbrückt werden.

 Ausstellungsansicht „Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft“ © NHM, Christina Rittmannsperger

Wer, wenn nicht die Künstler, sollte dem Einfluss des Mondes in seinem Schaffen mehr ausgesetzt sein?! Schon die alten Ägypter formten ihre Mondgötter nach menschlichem Vorbild. In vorgeschichtlicher Zeit waren es Idole, mit denen Menschen ihre Faszination an diesem verlässlichen Gestirn ausgedrückt haben. Über spätbarocke Darstellungen aus dem 18. Jh. und phantastischen Science-Fiction-Romanen nähert man sich der Gegenwart und den extra für diese Ausstellung geschaffenen Werken.

Die delikaten Malereien der US-Österreicherin Dona Jalufka mit ihrer, uralten Mythen entlehnten Kombination aus Mond und Hase haben es sogar auf das Plakat geschafft. Das alles soll aber nicht davon ablenken, dass auch die Wissenschaft eine Menge Spannendes zum Mond zu erzählen hat. So wird die Frage gestellt, was die Erde ohne den Mond wäre? Die nüchterne Antwort: Die Wirkung des Mondes auf irdisches Leben beschränkt sich heute auf seine Lichtemission und seine Anziehungskraft. Dass dahinter aber recht Alltägliches steckt, macht das Ganze bereits interessanter.

 Ausstellungsansicht „Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft“ © NHM, Christina Rittmannsperger

So wäre bei Fehlen der Gezeitenbremse, also von Ebbe und Flut, unser Tag nur 15 und nicht 24 Stunden lang. Sogar die Erdachse wäre destabilisiert und extreme Klimaschwankungen wären die Folge. Das Licht und sein periodischer Wechsel haben enormen Einfluss auf das Tierreich. Nachtaktive Tiere haben sich in vielfältiger Weise angepasst. Zugvögel können sich in mondhellen Nächsten einfach besser orientieren, während Löwen die dunklen Neumondnächte für ihre Jagd bevorzugen.

Selbstverständlich ist auch dem oft als esoterisch abgetanen Einfluss der Mondphasen ein Kapitel gewidmet. Das „Geschäft mit dem Mond“ hinterfragt kritisch den „richtigen Zeitpunkt“, auf den Arztbesuche, Aussaat, Haar- und Holzschnitt abgestimmt werden. Das Resümee: Von Physik und Biologie unbewiesen, aber vielleicht doch mehr als ein plumper Aberglaube?

Schließlich bekennt sich ein guter Teil der Menschheit seit ihrem Bestehen allzu gerne dazu. Der Spaß am Mondkalender ist auch nach der Mondlandung am 21. Juli 1969 ungebrochen. Wer ist damals nicht vor dem Fernseher gesessen und war vom kaum verständlichen Spruch von Neil Armstrong mit dem kleinen und großen Schritt tief beeindruckt?! Das Protokoll des Wettlaufs zum Mond ist detailliert angegeben. Für die Alten ist es Erinnerung, für die Jungen bereits Geschichte, wie nah der Mond seit diesem Moment gerückt ist und trotzdem, wie wenig selbstverständlich uns seine Nachbarschaft geblieben ist.

Morganit aus Brasilien © NHM Wien, Alice Schumacher

EDELSTEINE IN NEUEM GLANZ schmücken das NHM

Schmucksteine aus Ambras © NHM Wien, Alice Schumacher

Spannende Geschichten zu glitzernden Steinen

Gefährlich schön sind Rubine, Smaragde und Diamanten. Um sie ranken sich nicht nur freundliche Geschichten spendabler Galane, sondern auch wilde Krimis und Abenteuerromane. Um an die schönsten Stücke zu gelangen, wurde seit jeher, und man darf dabei weit zurück blicken, kein Verbrechen gescheut. Dennoch erscheint jeder der dieser glitzernden Steine, sobald er sich im Schmuck an einer schönen Frau befindet, unschuldig wie ein Neugeborenes. Mit dem Feuer seiner Facetten blendet er die Augen und versteht es, hinter dem Glanz seine Aura, seine ganz besondere Vergangenheit nur vage durchschimmern zu lassen und neugierig zu machen. Experten, die ihr Studium den Edelsteinen gewidmet haben, wissen jedoch darum und können, wenn sie nur wollen, auch darüber erzählen. Eine davon ist Dr. Vera M. F. Hammer, Leiterin der Mineraliensammlung des Naturhistorischen Museums Wien. Es macht ihr gewaltigen Spaß, über „ihre“ Edelsteine zu sprechen, dem erstaunten Zuhörer das Faszinosum dieser Materie nahezubringen.

Edelsteinstrauß, Geschenk  von Maria Theresia an Franz I. © NHM

Sie klärt ihn darüber auf, wie man die Echtheit eines Steins feststellen kann, ohne ihn zu verletzen, und was letztlich seinen Wert ausmacht. Über ein Jahr war sie damit beschäftigt, die weltweit bekannte Edel- und Schmuckstein-Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Es handelt sich dabei um eine Vitrine und besonders gesicherte Schaukästen, in denen sich der Besucher auf Texttafeln zumindest das Grundwissen über Edelsteine erwerben kann, während sich seine Augen an der dargebotenen Pracht kaum satt sehen können.

Geheimnisvoller Schimmer Mondstein aus dem Zillertal © NHM Wien, Alice Schumacher

Die Edelsteinzeit, wie sie heute präsentiert wird, hat im 16. Jahrhundert mit Ferdinand II. von Tirol begonnen. Die Mirabilien wanderten aus Sicherheitsgründen im 19. Jahrhundert von der Ambraser Kunst- und Wunderkammer ins Naturhistorische Museum. Bei den Fundorten von Edelsteinen denkt man unwillkürlich an ferne Kontinente. Jeder Mineraliensammler weiß jedoch, dass Österreich diesbezüglich durchaus mithalten kann. Einer der Beweise ist der Mondstein aus dem Zillertal. Er besteht aus zwei unterschiedlichen Feldspäten, die geschliffen das Licht diffus streuen. Sogar Smaragde gibt es aus eigenen Landen. Im Habachtal in Salzburg wurden sie bereits im 17. Jh. erwähnt.

Um 1880 wurden die begehrten grünen Steine vom Wiener Juwelier Samuel Goldschmidt systematisch abgebaut. Der mächtige Citrin aus der Wiener Schatzkammer zählt zu den Gründersteinen der Sammlung, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen kaufte die Naturaliensammlung des florentinischen Gelehrten Jean de Ballou, den der Kaiser auch gleich dazu engagierte, die Neuwerbung wissenschaftlich zu betreuen. Auf dem Bild am Aufgang des NHM ist der Kaiser in erlauchter Gesellschaft zu sehen. In der Hand hält er einen Smaragd aus Kolumbien.

Alchemistisch anmutende Versuche des Kaisers, aus mehreren kleinen Diamanten einen großen zu schmelzen, ging zwar schief, aber zumindest wurde die Brennbarkeit dieses aus reinstem Kohlenstoff bestehenden Minerals entdeckt. Mag sein, dass er für sein missglücktes Experiment als Trost von seiner Gattin Maria Theresia einen unvergleichlichen Edelsteinstrauß bekommen hat. Er ist eines der Highlights der neugestalteten Sammlung, die sich harmonisch in den mit allegorischen Figuren geschmückten Saal IV des Naturhistorischen Museums einfügt.

Ausschnitt aus der Systematischen Edelsteinsammlung im NHM Wien © NHM Wien, Alice Schumacher
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