Kultur und Weindas beschauliche MagazinBacchanal (Masterclass der Dancefactory Klosterneuburg) © Schark SAMSON UND DALILA Grand Opéra mit biblischer Geschichte
Der Schauplatz von „Samson und Dalila“ lässt aufhorchen. Gaza in Palästina wurde von den Philistern erobert. Die Hebräer sind dadurch in die Sklaverei geraten. Diese Gegend hat also eine traurige Tradition in kriegerischen Auseinandersetzungen. In diesem Fall ist es die Bibel, die uns schon im Buch der Richter (zwischen 1100 und 1000 v. Chr. entstanden) dazu eine einschlägige Begebenheit erzählt. Das Volk Israel war von ihrem Gott dafür bestraft worden, dass es sich dem Polytheismus zugewandt und damit das erste Gebot gebrochen hatte. Jahwe hatte dennoch Mitleid und sandte Samson, einen Mann mit übermenschlichen Kräften, der ihnen Mut einflößte und sie in den Befreiungskampf führte. Die vom Aufruhr überraschten Philister setzten eine Frau auf ihn an und nutzten so seine schwache Seite. Er verfiel ihren Reizen und verriet das Geheimnis seiner Stärke. Das Ende ist bekannt: Der geblendete Samson erhält im letzten Moment seine Kraft zurück. Er reißt den Tempel ihres Gottes Dagon ein und begräbt sich und die Feinde darunter. Ferdinand Lemaire schuf daraus ein Libretto, das von Camille Saint-Saëns zischen 1868 und 1877 vertont wurde. Entstanden war anstelle des ursprünglich angedachten Oratoriums eine typisch französische Oper mit allem Drum und Dran, wie es das Pariser Publikum liebte. Ein Held wird von einer unwiderstehlich schönen Frau überwältigt. Leidenschaft, Zweifel und Falschheit werden in mitreißenden Melodien ausgedrückt. Dazu gibt es ausladende Chorpartien und Balletteinlagen wie das Bacchanal, das fern an den Venusberg von Richard Wagner erinnert. Dem Erfolg stand nichts im Wege, dennoch wurde es still um diese Oper. Dank Peter Edelmann, dem Intendanten der operklosterneuburg, ist sie in diesem Sommer im Kaiserhof des Stiftes in ihrer ganzen Pracht wieder zum Leben erweckt worden. Die Akustik dieses Ortes erlaubt es, ohne Verstärkeranlage unter freiem Himmel zu spielen. Damit gewinnt die Aufführung enorm an Wirkung; was allerdings ein stimmkräftiges Ensemble voraussetzt. Die Sprache bleibt Französisch, die Übersetzung kann aber seitlich mitgelesen werden. Auf der von Hans Kudlich entworfenen schrägen Bühne hat Mario Pavle del Monaco die biblische Geschichte erstaunlich rutschfest inszeniert. Wuchtig wirkende „Steinquader“ erlauben einen raschen Umbau und dienen letztlich als die todbringenden Säulen des Tempels. Zu Fall gebracht werden diese von Samson. Dem stämmigen Kristian Benedikt nimmt man gerne ab, dass er imstande ist, mit einem der tonnenschweren Steine den Stadthalter der Philister zu erschlagen. Ivo Kovrigar als Abimélech hat als Sänger damit nur einen kurzen Auftritt, muss als Leiche im zweiten Teil jedoch in deren Heiligtum aufgebahrt ausharren und dem Oberpriester des Dagon (Bariton Serban Vasile) beim Entwurf der List lauschen. Der hat eine Schönheit zur Hand: Dalila.
Mesner (Horst Lamnek), Chor der operklosterneuburg © operklosterneuburg TOSCA Die Engelsburg im Kaiserhof des Stiftes
Scarpia wird von Tosca in höchster Emotion erstochen. Er hat vorher um den Preis, dass ihm die schöne Sängerin zu Willen ist, ihr zugestanden, den von ihm gefolterten Cavaradossi nur zum Schein erschießen zu lassen, und ein Papier verfasst, das den beiden Liebenden freies Geleit aus dem Vatikanstaat zusichert. Diese Szene ist gewiss der Höhepunkt der Oper, sowohl von der Handlung als auch von der Komposition her. Giacomo Puccini hat das Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, das eine nur scheinbar historische Handlung aus der Zeit der Napoleonischen Kriege in Rom erzählt, zu einem ewigen Meisterwerk der Opernkunst erhöht. Es ist eine Partie für die berühmtesten Sopranistinnen, die seit der Erfindung der Tonaufnahme damit unsterblich geworden sind. Gefordert sind aber auch die Männerstimmen: Als Tenor der Sänger des Mario Cavaradossi und für den Bariton, der als böser Polizeichef Scarpia nach einem höchst anspruchsvollen zweiten Akt sein Leben aushaucht, eine nahezu unbegreifliche Mammutaufgabe.
Die zum Theaterfest NÖ zählende operklosterneuburg hat sich unter der neuen Intendanz des Opermsängers Peter Edelmann erfolgreich, wenn auch in einer etwas gerafften Fassung dieser Oper angenommen. Für die Regie wurde Leonard Prinsloo gewonnen, für eine zeitlich nicht immer stimmige Inszenierung in einer multifunktionalen Kulisse (mit wenig Aufwand erlaubt sie drei Schauplätze); aber dieser Routinier wird schon wissen, warum die Kostüme (Karin Fritz) nicht historisch waren. In der erstaunlich guten Akustik des Kaiserhofes des mächtigen und prächtigen Augustiner Chorherrenstifts stand Francesco Cilluffo am Pult der Beethoven Philharmonie. Der 1979 in Turin geborene Komponist und Dirigent wird als der „Hohepriester der italienischen Oper zwischen Verdi und Puccini“ bezeichnet und wurde diesem Beinamen vollkommen gerecht. Er lässt Puccinis Komposition in ihrer genial instrumentierten Farbenpracht erblühen, mit feinem Gespür für Tempi und Dynamik, was es nicht zuletzt der Solistin und den beiden stimmgewaltigen Herren in ihrer Gesellschaft ermöglich hat, Arien und Duette hinreißend zu interpretieren. Fabián Lara ist ein Tenor, dem höchste Töne und weite Kantilenen offensichtlich einen Mordsspaß machen.
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