Kultur und Wein

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King Arthur Ensemble © Herwig Prammer

KING ARTHUR als ruhmreich Gefallener des Zweiten Weltkrieges

King Arthur Michael Rotschopf und Ensemble © Herwig Prammer

Eine Oper von Henry Purcell ins 20. Jahrhundert versetzt und einem Kind erzählt

Was sich wohl seit den Tagen von König Arthur und dem Zauberer Merlin auf der britischen Insel nicht gewandelt hat, ist der Nationalstolz. Er beherrscht ungebrochen bis zum Brexit die Gemüter der Engländer ohne Rücksicht auf ihr eigenes Heil. Hauptsache: Rule, Britannia! So lässt sich die Handlung der von Henry Purcell zu einem Libretto von John Dryden komponierte Semi-Oper ohne große Brüche in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und, sofern es sich um Gags wie das im frühen Mittelalter noch nicht erfundene Handy handelt, bis in die Gegenwart herauf ziehen. Die Hauptgestalten sind reine Sprechrollen, gesungen wird von Nebendarstellern und dem Arnold Schönberg Chor (Ltg. Erwin Ortner) in vielfältiger Verkleidung, angefangen von den Wotan opfernden Sachsen bis zum Pflegepersonal und den Insassen eines Veteranenheimes der British Army. Erzählt wird die Geschichte vom Kampf der Briten gegen die Sachsen dem kleinen Arthur, einem Buben von acht Jahren.

King Arthur Szenenfoto © Herwig Prammer

In seiner Phantasie verwandeln sich die Menschen aus seiner Umgebung zu Gestalten dieser Heldensage. Sein Großvater wird zum mächtigen Zauberer Merlin, seine Mutter zur blinden Emmeline und sein im Krieg gefallener Vater zu König Arthur. Es erscheinen ihm der gegnerische Zauberer Osmond, Erdgeist Grimbald, der Mitstreiter Conon, die Amme Mathilda und der Mönch Aurelius, die alle durchaus an keine bestimmte Zeit gebunden und als Personen der Gegenwart wieder zu erkennen sind.

Arthur Junior im Flugzeug seines Vaters © Herwig Prammer

Im Theater an der Wien verzaubert dieses Märchen das Publikum in der liebevollen Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf. Es wird nicht an lustigen Einfällen gespart, die sowohl die eher chauvinistische Botschaft der alten Mär als auch den Stolz der Kriegsgewinner 1945 durch bis zum Slapstick reichende Einlagen wohltuend entschärfen. Die stets stimmigen Kostüme von Kevin Pollard tragen einen guten Teil zur Magie bei, die einen bis zur Hochzeitsfeier von Arthurs Mutter gefangen hält.

So tritt Oliver Stokowski als Osmond nicht nur im grauen Businessanzug auf, sondern auch als Geck mit einem mächtigen Penis, um damit die schöne Emmeline (Meike Droste), wie er es unverblümt ausdrückt, zu pudern. Köstlich ist auch sein Jammern, ein Magier zu sein, der sich alles wünschen könnte, vom Luxusschlitten bis zur Yacht, das alles aber in „diesem Scheiß-Mittelalter“ noch nicht erfunden sei. Ganz zeitgemäß darf Michael Rotschopf bis knapp vor Schluss mit einer sportlichen goldenen Rüstung seinen königlichen Rang ausspielen, während Conon, sein Schwiegervater in spe, ständig mit Helmbusch und plumpem Harnisch hinter seinem Herrn dreintappen muss.

Unter der musikalischen Leitung von Stefan Gottfried erklingen die Originalinstrumente des Concentus Musicus Wien. Lauten, Gamben, Cembalos, Blockflöten, Naturtrompeten und Barockoboen schaffen ein authentisches Klangbild. Dazu kommen Gesangssolisten, die für diese Art der Musik die idealen Stimmen haben. Als wahrhaft verführerischer Cupido vermag Martina Janková sogar das eingefrorene Herz des Forstgeistes (Jonathan Lemalu) aufzutauen. Die Nereide Robin Johannsen ist knapp dran, mit einschmeichelndem Sopran den tugendhaften King Arthur im Zauberwald zu verführen. Lacher gibt es für die Tenöre Mark Milhofer und Johannes Bamberger, wenn sie als Hirten die Qualität englischer Wolle in einem Werbespot anpreisen. Priester und Pan ist Dumitru Mădărășan mit profundem Bass, zu dem der Counter von Rodrigo Sosa Dal Pozzo als Fahnenträger einen reizvollen Gegensatz bildet. Die stumme Rolle des Arthur jun. erfordert eine Menge an Konzentration, wird jedoch von den beiden Buben Samuel Wegleitner und Quentin Retzl mit ungemeiner Professionalität gemeistert.

Michael Rotschopf (King Arthur), Maike Droste (Emmeline) © Herwig Prammer
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