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Der Preispokal Ensemble © Bettina Frenzel

DER PREISPOKAL nicht für die Helden des Überlebens

Der Preispokal Szenenfoto © Bettina Frenzel

Das Elend des Krieges wird erst mit konkreten Schicksalen begreifbar

Das war ein Tag! Zuerst das dritte Mal im Fußball den Pokal heimgespielt, dann hinaus an die Front, wo der Mann angeblich erst zum wirklichen Helden werden kann. Harry Heegan ist noch jung und er ist talentiert. Zumindest kann er ballestern wie kein anderer, hat eine hübsche Freundin und die anderen Burschen schauen deswegen ehrfürchtig zu ihm auf. Sie alle sind bester Dinge, als es heißt, das Schiff zu besteigen, das die Soldaten nach Frankreich bringt. Ein Plakat in der Wohnung behauptet doch glatt, dass ein Ire zehn Deutsche umlegen kann. Wenn das keine Ansage ist?! Der Erste Weltkrieg tobt und frisst die Menschen in den Schützengräben auf beiden Seiten. Harry wird verwundet, kann seine Beine nicht mehr bewegen, ist querschnittsgelähmt. Die Freundin lässt sich verleugnen und die einzige treue Seele, eine Cousine, beginnt mit dem Spitalsarzt ein Pantscherl. Am Silvester 1919, als alle tanzen, das Kriegsende feiern und dennoch peinlich berührt sind, als Harry mit dem Rollstuhl auftaucht, wird ihm die Trostlosigkeit seiner Situation als Krüppel auf bittere Weise bewiesen.

Jakob Oberschlick, Angelika Auer © Bettina Frenzel

Jessie, so heißt die Freundin, hat sich ausgerechnet mit Barney, einem Freund und als Kriegskamerad auch der Retter von Harry, zusammengetan. Suzie, die stets in ihn verliebt war, ist mit Dr. Maxwell Forby am Schwung. Der wiederum ist Präsident des Fußballclubs, will aber nichts mehr davon wissen, wem sein Verein den Preispokal zu verdanken hat.

Der Preispokal Ensemble © Bettina Frenzel

Der irische Dramatiker Seán O’Casey hat das Stück „Der Preispokal“ als Tragikomödie bezeichnet. Das Komische beschränkt sich auf eine liebevoll ironische Darstellung irischer Lebensweise. Von den Männern, egal ob Vater Sylvester oder Freund Simon wird herzhaft gesoffen, in der Folge vom Nachbarn Teddy das Eheweib geprügelt und von Suzie, die als von Harry nicht beachtetes Mädel einen wahren Frömmigkeitswahn an den Tag legt, streng katholisch gepredigt. Der Rest ist Tragödie.

Der brutale Nachbar kehrt erblindet zurück, aus dem Fußballclub sind etliche Spieler draußen gefallen und diejenigen, die das Ganze einigermaßen heil überlebt haben, versuchen das Elend, das ihnen der Krieg gebracht hat, so gut es geht zu ignorieren.

Leuten wie unsereins, die im Frieden geboren wurden und den Krieg nur aus dem Fernsehen kennen, bringt O´Casey den Wahnsinn eines solchen Mordsystems beängstigend nahe.

 

Bruno Max, Prinzipal des Theaters zum Fürchten, hat selbst Regie geführt und dafür ein adäquates Ensemble gefunden. Neben Jasmin Reif (Jessie) und Teresa Renner (Mrs. Foran) sind mit Bernie Feit (Simon), Carina Thesak (Suzie), Régis Mainka (Teddy) oder Leopold Selinger (Dr. Forby) Publikumslieblinge am Werk, die diesem doch nicht so leicht verdaulichen Stoff auch ein Lächeln abgewinnen können. So in den Szenen, in denen Simon und Vater Sylvester (Rüdiger Hentzschel) von Suzie als gottlose Basilisken beschimpft werden und die beiden Männer sich darauf ihren Reim machen wollen oder das Telefon läutet und sich keiner anzuheben traut. Der tragische Held ist Harry, dem Jakob Oberschlick berührend Gestalt gibt. Er feiert ebenso überzeugend als Sieger wie er auch als ein Verlierer leidet, der alle Kraft dieser Welt hätte, wäre da nicht die Granate gewesen, die sein Leben auf Dauer zerstört hat.

Régis Mainka, Jakob Oberschlick © Bettina Frenzel
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