Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Christoph Prückner, RRemi Brandner © Bettina Frenzel

TEA & SYMPATHY Tea time von und mit fuckin´ Bruno Max

Lotte Loebenstein, Jacqueline Rehak, Christina Saginth © Bettina Frenzel

Auf wundersamer Entdeckungsreise durch das Empire britischer Selbstironie

Dinnertheater mit englischer Kulinarik ist zweifellos ein Wagnis. Was serviert man dabei dem Publikum außer Tee? Dafür sind die Insulaner ja berühmt. Aber beim Keks, den man mit spitzen Fingern dazu au einer Dose zupft, fangen die Probleme bereits an. Im Theater zum Fürchten umschifft man diese Klippe, indem Sandwiches von „The Petrovic Family“ serviert werden, auch solche mit der Gurkenfüllung, die schon für unzählige Witze herhalten mussten, und ganz oben Scones zum Bestreichen mit Clotted Cream und Marmelade von der Konditorei Klaschka. Nachdem die Tea time in Wien stattfindet, ist auch die Mehlspeis cremig und wohlschmeckend und zeigt keinerlei Anklänge an angebliche Gaumenverwirrungen britischer Zuckerbäcker. Was das Hauptgetränk, eben den Tee betrifft, wird der Zuschauer beim Betreten der Bar bereits mit Musiknummern wie „A Nice Cup of Tea“ oder „Tea for Two“ vom sängerisch firmen Ensemble, begleitet von Frizz Fischer am Klavier und Rremi Brandner (Bass/Gitarre), ermuntert, sich eine Tasse davon einzuschenken; also Abwarten und Tee trinken.

TEA & SYMPATHY Ensemble © Bettina Frenzel

Wenn es anschließend um die richtige Zubereitung von Tee geht, beginnt eine Satire, die Engländer erstaunlicherweise gar nicht lächerlich finden. B.I.T.A., die Webseite des British Institute for Tea and Infusions, gibt Tipps, oder besser Vorschriften. Wie wahrer Tee gebraut werden soll, ist ein unerschöpfliches Thema, das auch zu bösen Auseinandersetzungen angeblich kultivierter Gentlemen und Ladies führt. Isn´t it? Der einzige unverbindliche Gesprächsstoff ist daher das Wetter, dem Oscar Wilde einen Sketch mit feiner Klinge gewidmet hat. Dass es den Tee erst seit dem 19. Jahrhundert in England gibt, mag unerhört klingen, wird aber mit Briefen eines gewissen Lord Clarendon belegt.

Christoph Prückner, RRemi Brandner © Bettina Frenzel

Er verrät in seiner Korrespondenz, dass es einer als Braut vorgesehenen portugiesischen Prinzessin, die so gerne eine Tasse Tee trinken möchte, vor dem Ale, das der König zu dieser Zeit noch hauptsächlich säuft, ordentlich graust. Sogar Victoria, Langzeitkönigin des UK, muss einsehen, dass es nichts Originales um sie herum gibt, da alles entweder über Kolonialismus, Kriege und andere dunkle Kanäle beigeschafft wurde und am Ende nicht einmal sie selbst gebürtige Engländerin ist.

Bruno Max, Prinzipal des TZF, hat eine der großen Stärken der Briten für seine Zwecke benutzt. Er ist in deren Selbstironie fündig geworden und bietet mit „Tea & Sympathy“ ein Best of englischen Spaßes. Lotte Loebenstein, Jackie Rehak, Johanna Rehm, Christina Saginth, Rremi Brandner, Christoph Prückner, Florian Lebek, Matti Melchinger und Jörg Stelling spielen mutig Monty Python, machen sich ernsthaft über Exzentrik Gedanken und lassen sich als Politiker verkleidet zu Statements herbei, warum ausgerechnet England nicht mehr zu Europa gehören will.

Tee machen könnten wir ja schon, auf die englische Küche verzichten wir gerne, aber der Witz, dieser schräge Humor hinter den Kreidefelsen, wird uns bestimmt abgehen, wenn die Insel einmal in die Weiten des Ozeans hinaus weggerudert wurde und kaum mehr ein Austausch mit denen jenseits des durch das Brexit-Votum zum Dersaufen eingetieften Ärmelkanals stattfinden wird. Dank fuckin´ Bruno Max sind wir bei aller Heiterkeit, die sein Stück verbreitet, dann doch bereit, diesem Abschied eine kleine Träne nachzuweinen.

Am Klavier Frizz Fischer © Bettina Frenzel
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