Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Casanovas Damenflor © Bettina Frenzel

CASANOVA KOCHT und lässt das Publikum an den Genüssen teilhaben

HermannJ. Kogler (Casanova), Christina Saginth (Comtesse De la Borde) © Bettina Frenzel

Pikant gewürzte Geschichten aus einem wahrlich üppigen Liebesleben

Der eigentliche Koch ist Bruno Max. Er hat in „Rezeptbüchern“ von Arthur Schnitzler, Fellini, Russell T. Davis, Lasse Hallström, Ettore Scola und natürlich von Giacomo Casanova selbst geblättert und ein Menü erstellt, das der nach Don Giovanni bekannteste Gourmand in Sachen Frauenvernaschen durchaus mit Appetit verspeist hätte. Schließlich geht es darin um ein Leben voller Abenteuer, bestehend aus kulinarischen und erotischen Genüssen, verbunden mit all den Gefahren, die ihn sogar in die gefürchteten Bleikammern Venedigs gebracht haben. Selbstverständlich kann ein Casanova auch daraus fliehen. Der Trick: Eine Schüssel heißer Makkaroni, mit denen sogar ein misstrauischer Gefängniswärter überlistet werden kann. Der in diesem Stück bereits gealterte Held darf ausgiebig Rückschau halten. In einer Poststation nahe Paris trifft Casanova anno 1791 auf Restif de la Bretonne, einen seiner Zeit bekannten Romancier, der vor den Wirren der Revolution ebenfalls auf dem Weg in Sicherheit außerhalb der französischen Hauptstadt ist, und findet in ihm einen aufmerksamen Chronisten.

Mark Mayr (junger Casanova), Teresa Renner (Kastrat) © Bettina Frenzel

So kann er mit seiner ersten Geilheit als heranwachsender Bub und dem missglückten Versuch, Kleriker zu werden, beginnen, über seine Erlebnisse mit verheirateten Damen, mit einer Nonne, einem Kastraten und einer Greisin berichten, ohne dabei Rücksichten nehmen zu müssen, denn sie alle sind längst ferne Vergangenheit eines Mannes, der mittlerweile zum Hofnarren, pardon, zum Bibliothekar auf dem Schloss des Grafen Joseph Karl von Waldstein herabgesunken ist.

Bernie Feit (Restif), Hermann J. Kogler (alter Casanova) © Bettina Frenzel

Wenn die Zubereitung dieser Zutaten bestens gerät, dann wird daraus faszinierendes Theater, das in der Scala Wien unter dem Titel „Casanova kocht“ so sehr ernst genommen wird, dass das Publikum nicht nur zuschauen, sondern im Rahmen eines galanten Dinners mitgenießen darf, wenn in der Mitte des Raumes für die beiden Hauptdarsteller Köstlichkeiten aufgetragen werden. So leiten mediterrane Kleinigkeiten und Schinkenspeckröllchen zu einer raffinierten Königinnenpastete über.

Ganz wie seinerzeit bei Hofe wird dazu vom Balkon herab musiziert. Ein in vielen Zeiten und Strömungen bewandertes Orchester unterhält die Schmausenden mit Melodien von Mozart über Vivaldi bis Caterina Valente. Hermann J. Kogler als der alte Casanova und Bernie Feit als Restif verbinden kurzweilig die vielen kleinen Handlungen, die zumeist im Bett enden. Nutznießer der Erinnerungen sind Eric Lingens als sehr junger Casanova, der später allerdings zu einem unangenehmen Schergen mutiert, und Mark Mayr, dem als in Saft und Kraft stehenden Casanova die Herzen mitsamt den bebenden Körpern des Weibervolks nur so zufliegen. So legt er die virtuos in einer Reihe von Rollen auftretenden Schönen Teresa Renner, Angela Ahlheim, Fiona Ristl und Ivana Stojković gekonnt und in phantasievollen Stellungen aufs Kreuz. Dass der von ihm verehrte Voltaire (RRemi Brandner) nur Spott für ihn übrig hat, schmerzt zwar, wird aber vom Zuschauer beim Verzehr von Muschelnudeln mit zweierlei Sauce und einem erfrischenden Glas Grüner Veltliner vom Mödlinger Weingut Pferschy-Seper weniger bitter wahrgenommen als es Casanova selbst trifft.

Dem letzten großen Liebesangebot seitens der attraktiven Comtesse De la Borde (Christina Saginth) entsagt der alte Schwerenöter. Während rund um ihn an den Tischen lustvoll in Venusbrüstchen gebissen wird, muss er erkennen, dass derlei Freuden auch bei ihm aufs Essen beschränkt zu bleiben haben. Alles weitere, das die königstreue Hofdame zu bieten hätte, steht auch für ihn – und das mag die älteren Herren zu einem zufriedenen Lächeln veranlassen – längst außerhalb seiner potentiellen Reichweite.

RRemi Brandner (Voltaire im Kreise seiner Anbeterinnen) © Bettina Frenzel
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