Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Hendrik Winkler, Tania Golden, Rafael Wagner © Bettina Frenzel

Hendrik Winkler, Tania Golden, Rafael Wagner © Bettina Frenzel

GLORIOUS! Ovationen für die legendäre Danebensängerin

Rafael Wagner, Tania Golden © Bettina Frenzel

Rafael Wagner, Tania Golden © Bettina Frenzel

Für die Rolle der Florence Foster Jenkins braucht es mehr als eine Diva

Was soll ein Klavierspieler wie Cosmee MacMoon wirklich anderes machen als mit entsprechendem Fatalismus in die Tasten zu hauen? Die Dame, die er am Flügel begleiten soll, zahlt nämlich prächtig. Dass ihre Stimme grausam schrill ist, dass sie keinen Ton trifft und dass sie sich im Takthalten schwer tut, ist offenbar nur eine Sache der Gewöhnung. Rafael Wagner, der den geduldigen Pianisten gibt, meint daher, dem Publikum schon zu Beginn eine Rechtfertigung dafür schuldig zu sein. Vor allem stellt er fest, dass alles Ungewöhnliche, das man in den nächsten eineinhalb Stunden erleben wird, tatsächlich so geschehen ist. Wenn er sich ans Klavier setzt und routiniert ein paar Takte Barmusik klimpert, ist man überzeugt, so ein netter Kerl kann nicht lügen. Es ist tatsächlich keine erfundene Geschichte, die Peter Quilter (Deutsch von Horst Johannig) zum Inhalt der grandiosen Komödie „Glorious!“ gemacht hat, wenn sie auch noch so unwahrscheinlich klingt, klingt? naja, besser kreischt, ächzt und quietscht.

Tania Golden, Bettina Soriat © Bettina Frenzel

Tania Golden, Bettina Soriat © Bettina Frenzel

Claudia Marold, Tania Golden © Bettina Frenzel

Claudia Marold, Tania Golden © Bettina Frenzel

Florence Foster Jenkins ist eine historische Person, deren zweifelhafte Gesangsdarbietungen von gut geschmierten Aufnahmeleitern eines Tonstudios für die Ewigkeit auf Schellack gepresst wurden. Sie war von ihrem Talent überzeugt und die Erfolge gaben ihr Recht. Die Schallplatten gingen weg wie die warmen Semmeln und ihre Konzerte, wie sie ihre seltsamen Auftritte nannte, waren bis auf den letzten Platz ausverkauft. Sie war der Megastar des Falschsingens, dem ein hinter vorgehaltener Hand kicherndes Publikum tosenden Beifall zollte.

 

Das Problem des Theaterstücks ist die Hauptperson. Welche Sopranistin kann und will grauenhaft falsch singen!? In der SCALA Wien fand sich dafür Tania Golden, geboren in Sydney, mit einer Musical- und Schauspielausbildung in Wien. Sie darf als Idealbesetzung dieser Rolle bezeichnet werden. Es passt einfach alles zusammen. Tania Golden hat keine Scheu, der etwas korpulenten Heldin ihren vollen Körpereinsatz und die ganze Kraft ihrer Stimme virtuos angedeihen zu lassen, um das Herzensanliegen von Florence zu ihrem zu machen. In einem Meer von Blumen singen, singen und wieder singen! Keine Arie wird verschont. Nach einem Unfall in einem Taxi entdeckt Florence, dass sogar das f´´´ möglich ist, der Spitzenton in der Koloratur der Königin der Nacht.

Claudia Marold, Tania Golden, Alexandra-Maria Trimmel, Hendrik Winkler © Bettina Frenzel

Claudia Marold, Tania Golden, Alexandra-Maria Trimmel, Hendrik Winkler © Bettina Frenzel

Ihr zur Seite stehen neben dem Pianisten der Herzensfreund St. Clair Bayfield (Hendrik Winkler) und die alles organisierende Dorothy (Claudia Marold), die sich mit der spanischen Haushaltshilfe Maria (grantig und aufsässig komisch: Bettina Soriat) abärgern müssen. In dieser Traumwelt haben Gestalten wie Mrs. Verindah-Gedge (Alexandra-Maria Trimmel) nichts verloren. Diese böse Frau will doch glatt ein Bühnenverbot für Florence Foster Jenkins erwirken. Dass diese selbst offenbar nicht von wahrer Musik versteht, beweist die Einladung für Florence zu einem Auftritt in der Carnegie Hall... Regisseur Rüdiger Hentzschel und Frizz Fischer als musikalischer Leiter haben die Partitur für dieses Opus schrägen Gesangs überarbeitet und einen amüsanten und doch ungemein berührenden Abend geschaffen.

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