Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Otto Beckmann, Johannes Terne und die Bühne von Sam Madwar © Bettina Frenzel

Otto Beckmann, Johannes Terne und die Bühne von Sam Madwar © Bettina Frenzel

REVANCHE Spiel, Satz, Sieg und tot...

Otto Beckmann, Johannes Terne © Bettina Frenzel

Otto Beckmann, Johannes Terne © Bettina Frenzel

Wenn das Publikum perfekt getäuscht wird, bei diesem Mord mit kleinen Fehlern

Der englische Autor Antony Schaffer ist mit einem einzigen, jedoch extrem erfolgreichen Stück in die Theatergeschichte eingegangen. Er beschreibt darin die Leidenschaft seiner Landsleute zu skurrilen Wetten und Spielen, zu Games, wie sie es nennen. Es gibt sogar einen Spezialausdruck für gerissene Fouls, die letztlich den Erfolg ausmachen: Gamesmanship. Vor allem dann, wenn es um Leben und Tod geht, ist das so hoch gelobte britische Fairplay wahrlich nicht am Platz. Für jeden Vorteil, den der eine Teilnehmer erringen kann, muss es eine „Revanche“ geben, immer wieder, bis zum bitteren Ende. Aber was wäre ein Spiel ohne Zuschauer, die zwischen der Exzentrik und Schläue des einen Teilnehmers und der Entschlossenheit des anderen hin und her gerissen sind? In der SCALA Wien können derzeit zwar keine Wetteinsätze auf einen möglichen Sieger dieses Duells getätigt werden, aber man amüsiert sich köstlich, wenn der Ehemann gegen den mit offenen Karten antretenden Liebhaber seiner Frau alle Register seiner Erfahrung als erfolgreicher Krimiautor zieht.

Otto Beckmann (Milo Tindle) © Bettina Frenzel

Otto Beckmann (Milo Tindle) © Bettina Frenzel

Johannes Terne (Andrew Wyke), Inspector Doppler (Karl Steinsch) © Bettina Frenzel

Johannes Terne (Andrew Wyke), Inspector Doppler (Karl Steinsch) © Bettina Frenzel

Regisseur Sam Madwar hat diesen Ball gekonnt aufgenommen und täuscht bereits das Publikum mittels Programmheft, das übrigens wunderbar ausführliche Informationen zu Autor und Gegenstand dieses „Games“ enthält. Die Bühne lässt keine Wünsche offen. Alles ist vorhanden, was in der folgenden Auseinandersetzung nur irgendeine Rolle spielt. An der Wand hängt eine scheppernd lachende Rüstung, Kamin und sonstige Einrichtung lassen auf gute finanzielle Verhältnisse schließen, ein historistischer Stiegenaufgang vor einer Fensterfront über zwei Etagen führt zu Schrank, Schreibtisch und Standuhr. In diesem Reich ist der Schriftsteller Andrew Wyke Hausherr und genießt seinen Heimvorteil gegenüber Otto Beckmann als Milo Tindle, einem Friseur, der sich tatsächlich anfangs von der Pracht verschrecken lässt. Nicht unwesentlich trägt dazu ein hinreißend agierender Johannes Terne bei. Mit ätzender Arroganz und hintergründiger Nonchalance treibt er den verschüchterten Milo vor sich her; bis der wamperte Inspector Doppler auftaucht (Karl Steinsch...) und dem Spiel eine entscheidende Wendung gibt. Zum weiteren Verlauf nur so viel: Es bleibt bis zum letzten Moment ungemein spannend.

SCALA Logo 300

Statistik