Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Viel Lärm um Nichts, Ensemble © Bettina Frenzel

Viel Lärm um Nichts, Ensemble © Bettina Frenzel

VIEL LÄRM UM NICHTS Eine grandiose Einladung zu Shakespeare

Viel Lärm um Nichts, Ensemble © Bettina Frenzel

Viel Lärm um Nichts, Ensemble © Bettina Frenzel

Der Krieg ist aus! Im Frieden ist endlich Zeit für heiter-verzwickte Liebesbeziehungen

Dass der junge Held Claudio die von ihm geliebte Hero nicht im ersten Anlauf heiratet, ist einem dramatischen Umstand der Handlung zu verdanken. Damit es spannend bleibt, gibt es einen Bösewicht, der die Verbindung der Hochzeiter hintertreiben will. Zu verdanken hat man das Happy End neben einem listigen Pater Antonnio (Floran Lebek) den beiden etwas dümmlichen Wachposten, die auf ihrer nächtlichen Streife eher zufällig das böse Spiel mitbekommen, mit dem Bräutigam, Schwiegervater und fürstlicher Freund getäuscht wurden. Wesentlich interessanter ist der dritte Strang im Geschehen dieser Komödie. Es ist die nahezu tiefenpsychologische Darstellung zweier Menschen, deren Seelen sich von scheinbar unüberwindlicher gegenseitiger Ab- in letztlich doch nachvollziehbare Zuneigung wandeln. William Shakespeare gibt ausgerechnet diesen von Neurosen gepeinigten Kreaturen witzige Dialoge voll Schärfe gegen das Dasein als Mann und Frau, die nicht nur die Personen auf der Bühne, sondern auch das Publikum bestens unterhalten. Dass damit der Titel „Viel Lärm um nichts“ ad absurdum geführt wird, verzeiht man dem Autor gerne. Schließlich hat nach einem glücklich beendeten Krieg auf ganzer Linie das Gute gesiegt. Na, wenn das nichts ist?

Thomas Marchart, Leopold Selinger © Bettina Frenzel

Thomas Marchart, Leopold Selinger © Bettina Frenzel

Leon Lembert, Bernie Feit, Raimund Brandner © Bettina Frenzel

Leon Lembert, Bernie Feit, Raimund Brandner © Bettina Frenzel

Keine Kompromisse kennt Bruno Max vom Theater zum Fürchten, wenn es um die Umsetzung des überaus geistreichen Humors dieser Komödie geht. Auf einem Platz in einer sizilianischen Kleinstadt, stilvoll aufgebaut von Robert Notsch, dreht sich das Geschehen um das Ende des Zweiten Weltkrieges, ohne dabei die Zuschauer allzu schmerzlich aus dem 17. Jahrhundert herauszureißen. Denn der geschickt bearbeitete Text hält sich großteils an die aus dem 19. Jahrhundert stammende Übersetzung von Wolf Graf Baudissin und Ludwig Tiek. Der joviale Fürst Don Pedro (Hendrik Winkler) wird per Beiwagenmaschine auf die Bühne gebracht. Mit einem Strick daran gefesselt ist sein feindlicher Bruder Don Juan, dem Randolf Destaller eine nichts Gutes verheißende eisige Miene angedeihen lässt. Mit dabei ist Benedikt Leopold Selinger, zu diesem Zeitpunkt noch ein wilder Hund. Es kommt zur unvermeidlichen Begegnung mit der burschikosen Beatrice (Lisa-Marie Bachlechner) und zu einem ungemein tiefsinnigen Wortgefecht zwischen der Männerhasserin und dem hartgesottenen Junggesellen. Benedikts Kamerad Claudio (Thomas Marchart) dagegen verknallt sich auf der Stelle in die sanfte Hero (Veronika Petrovic) und erhält von deren Vater, dem liebenswürdigen Greis Signor Leonato (Christoph Prückner) umgehend deren Hand.

Borachio (Leon Lembert), ein potenter Sizilianer, wird gleich zu Beginn beim Techtelmechtel mit der glutvollen Margarita (Regina Schebrak) gestört und nach der Täuschung zur Verleumdung von Hero ertappt, und zwar von den beiden Nachtwächtern, die in der Stadt für nächtliches Silenzio zu sorgen haben: Raimund Brandner als alter Sorba (zu Deutsch Schlehwein) und Carruba, was mit Johannisbrot übersetzt werden kann, als Holzapfel aber weit lustiger klingt. Bernie Feit lässt diesen Konstabler virtuos in eine groteske Verwirrung von Fremdwörtern und Wortverdrehungen geraten, um am Ende dennoch als g´scheiter Held dazustehen. Bei den beiden offenbar hoffnungslosen Fällen, also bei Beatrice und Benedikt, hilft nur List. Heimlich lassen ihn Signor Leonato, Don Pedro, Claudio und die widerspenstige Dame Cousine Hero, Margarita mit Ursula (Christina Saginth) jeweils von einer tiefen Liebe auf der anderen Seite wissen. Das Ergebnis ist eine Doppelhochzeit, wie sie sogar einem Shakespeare als einzig gültige Lösung der vielseitigen Verwirrungen erschienen ist.

Lisa-Marie Bachlechner, Leopld Selinger © Bettina Frenzel

Lisa-Marie Bachlechner, Leopld Selinger © Bettina Frenzel

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