Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Sung-Keun Park (König Karotte), Komparserie, Chor  © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

KÖNIG KAROTTE Toller Aufstand gegen die Tyrannei des Gemüses

Mirko Roschkowski (Fridolin XXIV.), Julia Koci (Prinzessin Kunigunde)  © Barbara Pálffy / Volksoper

Eine Märchenoper für Erwachsene und Connaisseure französischer Turbulenz

Kein Spaß für Veganer! Dafür aber für alle, für die Karotten bestenfalls eine gesunde Beilage sind. Gerade noch am letzten Abdrücker ist es der Volksoper gelungen, ein selten gespieltes Werk aus Anlass des 200. Geburtstages von Jacques Offenbach ins Programm zu nehmen. 1872 entstand die komische Zauberoper (opéra-bouffe-féerie) „Le Roi Carotte“ als Satire auf Herrscher und Volk, auf das gepriesene Savoir-vivre seiner Landsleute und eine allgemein verbreitete Wundergläubigkeit. Der verwöhnte und genusssüchtige Prinz Fridolin XXIV. gerät in den Machtkreis zweier Zaubermächte. Auf der einen Seite ist es der gute Geist Robin, der den jungen Mann auf den Pfad der Tugend zurückbringen möchte. Ihm gegenüber steht die Hexe Kalebasse, die den Prinzen stürzen will. Robin überlässt vorerst der Hexe das Feld, die aus ihren Beeten unheimliche Gestalten hervorzaubert. Rote Rübe, Lauch und Zwiebel ergreifen unter Führung der Karotte die Macht. Die Fridolin zur Heirat versprochene Prinzessin schlägt sich wie der gesamte Hofstaat auf der Stelle auf die Seite der neuen Herren.

Sung-Keun Park (König Karotte)  © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Ihr entgegen steht die herzliche Zuneigung der allerliebsten Rosée-du-Soir, die mithilfe Robins der Gefangenschaft von Kalebasse entfliehen kann. Gemeinsam mit dem gestürzten Prinzen versuchen sie nun die Tyrannei von Karotte und Co. zu überwinden und lassen dabei keinen Gag aus. Die Reise führt nach Pompeji am Tage des Ausbruch, in die Welt der Ameisen und auf eine Affeninsel. Zum Glück gibt es keinen Mangel an Talismanen, mit denen schließlich die ursprünglichen Verhältnisse unter den Vorzeichen einer moralischen Verbesserung des Prinzen wieder hergestellt werden können.

König Karotte Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Guido Mancusi schenkt mit dem Orchester der Volksoper Wien der Komposition von Jacques Offenbach genau diese Eleganz und den Schwung, der das gesamte Ensemble mitreißt und das Publikum mit offenem Mund die phantastisch turbulente Handlung (Text von Victorien Sardou, ins Deutsche übersetzt von Jean Abel) verfolgen und mit verzückten Ohren die Musik genießen lässt. Die Ausstattung unter der Regie von Matthias Davids ist dankenswerter Weise alles andere als sparsam.

Sie verwandelt wie von Zauberhand geführt blitzartig die Bühne in diverse Schauplätze und bindet Chor und Statisterie mit rasanten Tanzszenen bis zur Polonaise und dem Eisenbahngalopp ins Geschehen ein. In einer solchen Welt haben es Solisten freilich einfacher zu glänzen. Ein resoluter Robin ist der selbstbewusste Mezzo Amira Elmadfa, dem die Hexe Kalebasse in der Person eines ätzend komischen Christian Graf gegenübersteht. Die quirlige Prinzessin Kunigunde (Julia Koci) weiß wie man flott zu leben hat und wird als Gemahlin von König Karotte zu orangeroten Modeikone. Tenor Sung-Keun Park darf mit hohem Fruchtkörper auf dem Kopf wie ein gewisser amerikanischer Präsident ein Permanentgrinsen aufsetzen, bevor er armselig in den Armen seiner enttäuschten Frau verwelkt. In Nebenrollen reüssieren unter anderem Marco Di Sapia als Polizeichef mit einem bissig aktuellen Couplet, ein in fremder Sprache parlierender Yasushi Hirano als Schwarzmagier, der unter jedem Herrn stramm dienende Kammerherr Franz Suhrada oder der mit seinem mediterranen Gemüse nicht unaufdringliche pompejanische Händler Gernot Kranner.

Konstantin Oberlik ist an sich seriöser Sportwissenschaftler. Für Offenbach macht er sich jedoch gern zum Affen, der so behände über seine Insel turnt, als hätte man für ihn die Schwerkraft abbestellt. Mirko Roschkowski in der Rolle des p.T. Fridolin XXIV. Prinz von Krokodyne spielt und singt sich mit wohltuend geschmeidiger Stimme in das Herz von Rosée-du-Soir, die in ihren Sopran alle die Wärme legt, die sie zu einer künftigen Königin adelt. Allen zusammen ein großes Bravo!

König Karotte Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper Wien
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