Kultur und Wein

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Die Dubarry, Ensemble

Ensemble, Martin Enenkel, Wolfgang Gratschmaier, Marco Di Sapia, Annette Dasch, Oliver Liebl © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

DIE DUBARRY Operette als königliche Late-Night-Show

Annette Dasch (Gräfin Dubarry), Harald Schmidt (König Ludwig XV.), Ensemble © Barbara Pálffy/Volksop

Annette Dasch (Gräfin Dubarry), Harald Schmidt (König Ludwig XV.), Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Erste Premiere der neuen Direktion: Jubel für das Ensemble und Buhrufe für was immer...

Carl Millöcker (1842-1899) zählt mit Franz von Suppè und Johann Strauß zum Dreigestirn der goldenen Wiener Operettenära. Dennoch dürfte dem Publikum Anfang der 1930er-Jahre seine Musik zur „Gräfin Dubarry“ nach einem Libretto von F. Zell (Camillo Walzel) und Richard Genée nicht mehr gereicht haben. Also hat sich der preußische Komponist Theo Mackeben des Werks angenommen, es mit eigenen, dem damaligen Zeitgeist eher entsprechenden Nummern erweitert und 1931 eine Neufassung unter dem Titel „Die Dubarry“ zur Uraufführung gebracht. Entstanden war ein Konglomerat aus norddeutscher Unterhaltungsmusik mit Wiener Charme in großen Teilen der Partitur, das sich erstaunlicherweise bis heute gehalten hat und nicht zuletzt von Lotte de Beer für bedeutend genug empfunden wurde, mit der Eröffnungspremiere ihrer Direktion an der Volksoper Wien als Programmzettel für Kommendes abgegeben zu werden.

Martin Enenkel (Labille), Harald Schmidt (Ludwig XV.), Annette Dasch (Jeanne Beçu) © Barbara Pálffy/

Martin Enenkel (Labille), Harald Schmidt (Ludwig XV.), Annette Dasch (Jeanne Beçu) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Juliette Khalil (Margot) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Juliette Khalil (Margot) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Die Schnittlinie zwischen Deutsch und Wienerisch wurde auch bei dieser Produktion konsequent eingehalten. Am Pult des mit Walzern vertrauten Volksopernorchesters steht der aus Aschaffenburg stammende Kai Tietje, der mit kräftigem Klang den Sängern einiges an Stimmkraft abverlangt. Aber er kann sich auf die in Berlin geborene Annette Dasch als Jeanne verlassen. Sie setzt sich mit ihrer sicheren Stimme sogar in Situationen durch, die anderen Sängerinnen wohl den Atem rauben würden. So wird sie in einer unangenehm anmutenden Szene von einem Verehrer beinahe vergewaltigt, singt aber trotz heftigster Händel ungerührt weiter. Dessen dürfte sich auch Jan Philipp Gloger (geb. in Hagen) bewusst gewesen sein, dessen Regie einen gewaltigen Zeitrahmen erkennen lässt. Auf der Bühne drehen sich die Schauplätze in einem Guckkasten, der vom Modenhaus über das ärmliche Künstlerquartier des René Lavallery (der ansprechende Tenor Lucian Krasznec) bis zu den prächtigen Räumen in Schloss Versailles liebevoll eingerichtet ist.

Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Annette Dasch (Jeanne Beçu), Lucian Krasznec (René Lavallery) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Annette Dasch (Jeanne Beçu), Lucian Krasznec (René Lavallery) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Die bei der strengen Putzmacherin Madame Labille (Ulrike Steinsky, die als Marschallin von Luxemburg nobel schönbrunnerisch näselt) angestellten Mädels sind in ihren ungenierten Reden jedoch ganz und gar gegenwärtig, ungeachtet mancher Kostüme, die durchaus wieder in das französische 18. Jahrhundert verweisen. So wirbt Wolfgang Gratschmaier als authentisch gewandeter Marquis de Brissac um die kleine Margot (Juliette Khalil) und beide stehen einander in umwerfender Komik um nichts nach. Graf Dubarry (Marco Di Sapia) wechselt zwar in seinen Auf- und Anzügen zwischen gestern und heute, schafft es dennoch, die von ihm entdeckte Jeanne Beçu dem König zu offerieren. Alles hat auf diesen Moment gewartet: Als Ludwig XV. erscheint Harald Schmidt. Die Late-Night-Show mit der Gesprächspartnerin Madame Dubarry kann beginnen. Der Talkmaster fühlt sich in dieser Rolle pudelwohl und lässt verschmitzt Gag auf Gag von der Leine. Allein diese Szene ist es wert, sich diesen Historienschwank „reinzuziehen“, wie es im Jargon von Netflix-Consumern heißt, bereichert mit der Draufgabe wunderschöner, im Grunde zeitloser Musik.

Volksoper Wien, Logo 350

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