Kultur und Wein

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Shara Hughes, Sink in, Ausstellungsansicht

Shara Hughes, Sink in, Ausstellungsansicht

SHARA HUGHES Farbenpracht einer entfesselten Innenwelt

Shara Hughes, Sink in, Ausstellungsansicht

Shara Hughes, Sink in, Ausstellungsansicht

„Sink in“ als Einladung in die geheimnisvolle Welt der amerikanischen Künstlerin einzutauchen

„Shara Hughes malt nicht, wie etwas aussieht, sondern wie es sich anfühlt“ könnte als Motto über ihrer ersten musealen Einzelausstellung in Österreich stehen. Kuratorin Angela Stief ist überzeugt, dass die „üppigen Vegetationen, deren intensive Farbigkeit und überbordende Schönheit auf irritierende Blickwinkel, surreale Abgründe auf eine symbolisch aufgeladene Motivik treffen.“ Tatsächlich wird man in der stimmungsvollen Pfeilerhalle von paradiesisch anmutenden Eindrücken empfangen. Schaut man aber genauer hin, entdeckt man bald die Kluft zwischen Idylle und Bedrohung, die den eigentlichen Reiz dieser Arbeiten ausmacht.

Shara Hughes Sundown, 2025, Courtesy of the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zürich/Vienna

Shara Hughes Sundown, 2025, Courtesy of the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zürich/Vienna © Shara Hughes Foto: JSP Art Photography

Shara Hughes Pop, 2021 Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Denmark.

Shara Hughes Pop, 2021 Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Denmark. Donation: Fondation Croÿ-Roeulx © Shara Hughes Foto: JSP Art Photography

Zu den Gemälden kommen Keramiken, die eine ähnliche „Tonart“ erklingen lassen und ihren Gemälden entsprungen sein könnten. Hughes akzeptiert die während des Brennvorgangs entstehenden Abweichungen vom Rohling, wenn in der Glasur Risse entstehen oder das gute Stück geschrumpft ist. Derlei Differenzen fielen auch keineswegs auf.

Es handelt sich um scheinbar zufällig entstandene Formen, die lediglich durch ihren Titel auf ein bestimmtes Thema hin fixiert sind. „Dutch Tree Ceramic“, „Shade Tree“ oder „Dense Forest“ lassen in ihrer Abstraktheit mit gutem Willen Holzgewächse erkennen. Mit „Moonrise“, „North Star“ und „Sunrise“ wird der vom festen Sockel erdgebundene Blick gedanklich in den Himmel gerichtet. Die Künstlerin selbst spricht dabei von einem Spannungsverhältnis zwischen bewusster und freier Gestaltung, das ihre Praxis bestimmt. Kontrollverlust ist gewollt und sogenannte Mängel wesentlicher Bestandteil ihres Schaffens. Menschen wurden da wie dort in ihrem Werk ausgespart. Niemand bewegt sich in den wuchernden Blumenfeldern, den kreiselnden Landschaften oder unter den dicken Wolken, über denen sich eine strahlende Sonne behauptet. Das überlässt Shara Hughes denjenigen, die ihre Werke betrachten, viel mehr noch, die darin versinken sollen, wie der Untertitel der Schau andeutet: „Sink in“ (bis 28. Februar 2027).

Keramik von Shara Hughes, Sunrise, 2026

Keramik von Shara Hughes, Sunrise, 2026

Helga Philipp, Bewegungsräume, Ausstellungsansicht

Helga Philipp, Bewegungsräume, Ausstellungsansicht

HELGA PHILIPP Durch Betrachtung ausgelöste Bewegung

Helga Philipp, Bewegungsräume, Ausstellungsansicht

Helga Philipp, Bewegungsräume, Ausstellungsansicht

Postume Ehren für eine österreichische Vertreterin zwischen Konkreter Kunst, Kinetismus und Op-Art

Victor Vasarely hat in den 1940er-Jahren damit begonnen, in raffiniert konstruierten geometrischen Mustern dem Auge Bewegung vorzutäuschen. Es war der Beginn der kinetischen Kunst, die auf das nach ihrer Wirkung benannte „Trompe-l’œil“ setzte. 20 Jahre später wurde diese Technik von der 1939 geborenen Bilderhauerin und Malerin Helga Philipp aufgenommen. Sie erzielte damit in Österreich sensationellen Zuspruch. Dank einer Stelle als Assistenzprofessorin an der heutigen Universität für angewandte Kunst wurde Philipp zur Schlüsselfigur einer Generation, die sich in ihrem bildnerischen Ausdruck mit Wahrnehmung, Raum und systematischen Strukturen auseinandersetzte.

Helga Philipp, Ohne Titel, Metallspiegel 1992

Helga Philipp, Ohne Titel, Metallspiegel 1992

Helga Philipp, Ohne Titel, 2002, Siebdruck, 16-teilig

Helga Philipp, Ohne Titel, 2002, Siebdruck, 16-teilig

Grundlage ist das Schachbrett. Durch Veränderungen der Proportionen beginnen sich die Flächen wie magisch zu wölben und die Raster zu flimmern, deswegen auch der Titel der Ausstellung in der Pfeilerhalle „Bewegungsräume“ (bis 20. September 2026), die sich dieser Sparte eines an sich wesentlich weitergehenden Œuvres der Künstlerin widmet. Helga Philipp hat penibel an der Ausführung dieser Technik gearbeitet. „Werkzeuge“ waren der Siebdruck, Glasplatten, Folien und Lackaufträge. Später kam die Raute, also das in der Diagonale gedrehte Quadrat dazu.

Für die Farbigkeit werden beispielsweise Rot und Blau als Gegenpole mit unterschiedlicher Wirkung kombiniert. Die so entstandenen Motive wurden auf große Plexiglasplatten gedruckt und in drei Ebenen hintereinander und frei hängend montiert. Im Laufe ihres Lebens wurde die geometrische Palette mit abgestuften Hell-Dunkel-Kontrasten erweitert. Die sogenannten Streifenmotive waren entstanden. Ziel war aber stets ein dadurch ausgelöster Schein von Bewegung. Je größer das Format, umso mehr Wirkung, so der Eindruck, der sich an einem achtteiligen Gemälde von nahezu zehn Metern Breite aufdrängt. Eingeteilt sind die Arbeiten in „Schichtgrafiken“, in die 56-teilige Werkgruppe „Domino“ oder die „Sitzmöbeln“, in denen ihre Siebdrucke in den Raum transferiert wurden, um als dreidimensionale Objekte wahrgenommen zu werden. Staunen ist angesagt, bei jedem Blick auf eine ihrer Arbeiten, die geschickt die Geheimnisse ihrer optischen Mobilität verhüllen und auch ohne konkrete Titel eine kurzweilige Promenade vorbei an der Kunst von Helga Philipp versprechen.

Helga Philipp, Bewegungsräume, Ausstellungsansicht

Helga Philipp, Bewegungsräume, Ausstellungsansicht

Leiko Ikemura Triptychon Teile 1-3 (Genesis, Tokaido, Tokaido), 2015 © 2025 Leiko Ikemura

Leiko Ikemura Triptychon Teile 1-3 (Genesis, Tokaido, Tokaido), 2015 © 2025 Leiko Ikemura Foto: Jörg von Bruchhausen

LEIKO IKEMURA Mutterschaft für fantastische Welten

Leiko Ikemura, Doppelfigur mit Vogel im Arm, 1998/2002

Leiko Ikemura, Doppelfigur mit Vogel im Arm, 1998/2002

Bilder und Skulpturen im fließenden Übergang von Abstraktion und Gegenständlichkeit

Die Künstlerin spricht von ihrer Kreativität als einen Tanz, von „körpereigenen Rhythmen und Wellenbewegungen“, die sie als Frau deutlicher als ein Mann empfinden kann. Deswegen werden ihre Gemälde auch unter dem Titel „Motherscapes“ (deutsch: Mutterlandschaften) zusammengefasst. Ein solches Triptychon steht auch im Mittelpunkt der Ausstellung, die Leiko Ikemura in der Albertina bis 6. April 2026 gewidmet ist. 1951 wurde sie in Japan geboren und ist über die Schweiz in Deutschland gelandet. Die nun großteils in Berlin lebende und arbeitende Malerin und Bildhauerin hat sich als Ort der Präsentation die Pfeilerhalle ausgesucht. In diesen stimmungsvollen Gewölben mit spannenden durch die Trägerelemente gelenkten Sichtachsen im Hauptraum und einer Art Krypta kämen ihre Werke, so Ikemura, entsprechend zur Geltung, besser als in einer weiten Halle.

Öeiko Ikemura, Usagi mit Flügeln, Katze 2022-2023

Glas: Öeiko Ikemura, Usagi mit Flügeln, Katze 2022-2023

Leiko Ikemura, Motherscape, Ausstellungsansicht

Leiko Ikemura, Motherscape, Ausstellungsansicht

Obwohl sie seit 1991 an der Universität der Künste Berlin im Kreise von Kollegen wie Georg Baselitz und anderer großer Namen als Professorin unterrichtet und bereits etliche Preise einheimste, hatte Leiko Ikemura, wie sie offenherzig mit einem Lächeln zugibt, schlaflose Nächte, als sie die Einladung der weltberühmten Albertina erreichte. Es war offenbar eine Art Lampenfieber, das vor einem gelungenen Auftritt die Kräfte für einen Erfolg konzentriert. Sie reüssiert mit Werken, die ihre Weiblichkeit als schöpferische, lebensspendende Kraft gegen ein von ihr nach wie vor übermächtig empfundenes Patriarchat in diesem Metier zum Tragen bringen sollen.

Mit sensiblem Farbauftrag lässt Leiko Ikemura ästhetisch ungemein ansprechend westliche und östliche Einflüsse zu in ihr geborenen Landschaften ineinander fließen. Dazu kommen eher irritierende Zeichnungen mit hintergründigem Humor, der durchaus auch bei Snoopy von den Peanuts Anleihen genommen haben könnte. In eine vollkommen andere Wirklichkeit entführen ihre Plastiken aus Ton, Bronze und Glas. Beeindruckend ist das Mutterwesen „Usagi Kannon Janus“, eine über mehrere Meter hohe weibliche Figur mit Hasenohren, deren nach vorne offener Rock an eine in der katholischen Kirche verehrte Schutzmantelmadonna erinnert. Berührend in ihrer nahezu surrealistischen Ausführung sind die kopflose „Doppelfigur mit Vogel im Arm“, das „türkise Baby“ oder die aus glasierter Terrakotta nach alter japanischer Tradition gefertigte „Mutter mit Miko“. Für Leiko Ikemura sind sie die feministische Manifestation des Prinzips von Entstehung, Wandel und Erneuerung. Sie stehen jenseits geschlechtlicher Zuordnungen und als Metapher für künstlerische Kreativität.

Leiko Ikemura, Motherscape, Ausstellungsansicht

Leiko Ikemura, Motherscape, Ausstellungsansicht

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