Kultur und Weindas beschauliche MagazinGeister in Princeton, Szenenfoto © Barbara Pálffy / Schubert Theater GEISTER IN PRINCETON Tödliches Verhängnis logischer Paradoxien
Kurt Gödel (1906-1978) war ein Genie. Als Mathematiker und Philosoph konnten nur wenige seinen Gedankenflügen folgen. Aufgrund von Erkenntnissen wie den Unvollständigkeitssätzen gilt er als einer der größten, wenn nicht der größte Logiker seiner Zeit. Trotzdem war er das Opfer irrationaler Phänomene. Schon als Kind war der in Brünn geborene Knabe Gefangener in einer Welt voller Geister, die im Verein mit akuter Paranoia in späteren Jahren sein Leben durch Verhungern beenden sollten. Aus Angst vergiftet zu werden, lehnte er jede Nahrung ab, Albert Einstein, den er im Exil in den USA persönlich kennenlernte, soll zu ihm gesagt haben: „Paradoxien sind Ihr Spezialgebiet, nicht meines.“ Ob dieser Satz tatsächlich so gesagt wurde, ist unerheblich. Der deutsche Dramatiker Daniel Kehlmann hat damit jedoch die Tragödie dieses Wissenschaftlers auf den Punkt gebracht. Er hat Gödel in seinem dramatischen Debüt ein Denkmal gesetzt, das über postume Ehrungen seitens der Republik Österreich weit hinausgeht. Mit Kehlmanns Text bekommt man zumindest eine Ahnung, einen blassen Schimmer von einer Materie, die sich wohl den meisten von uns als ein Buch mit sieben Siegeln darstellt.
2011 wurde das Stück „Geister in Princeton“ in Österreich uraufgeführt. Als neuerliche Erstaufführung darf die Premiere am 11. April 2026 im Schubert Theater bezeichnet werden. Simon Meusburger hat mit Manuela Linshalm Regie geführt und diesem Drama eine ungeheure Vielschichtigkeit und schattenhafte Tiefe verliehen. Linshalm und Angelo Konzett spielen die spätere Ehefrau Adele und Kurt Gödel faszinierend authentisch, um gleichzeitig für alle anderen Rollen Puppen zu führen und diese virtuos mit verschiedenen Stimmen sprechen zu lassen. Gebaut wurden die „Mitspieler“ von Soffi Povo. Entstanden sind dabei Figuren wie Kurt als Kind oder Prof. Moritz Schlick, Gründer des Wiener Kreises, dessen Mitglieder durch elastische Büsten vertreten sind.
Švejk auf der von Claudia Vallant gestalteten Bühne © Barbara Palffy MIT HUNDEFLOH UND RAUPE Die Abenteuer des braven Soldaten Švejk
Mit dem braven Soldaten Švejk hat Jaroslav Hašek zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg eine passende Antwort auf den Wahnsinn gegeben, der Tausenden Männern das Leben gekostet hat. Seine Figur ist der Antiheld, der im passivem Widerstand gegen den gegenseitigen Massenmord auf den Schlachtfeldern Europas überlebt hat. Der offiziell als „idiotisch“ erklärte Prager Hundehändler überwindet mit Witz und Schläue die in Wahrheit verrückten Ansinnen von Bürokratie und militärischen Obrigkeiten und hat es geschafft, zu einer durchaus unterhaltsamen Galionsfigur des Pazifismus aufzusteigen.
Švejk ist nun auch im Schubert Theater anzutreffen. Regisseurin Martina Gredler hat an der mittlerweile bekannt lustigen Gestalt das absurd Abgründige sichtbar gemacht und lässt dem Publikum das Lachen immer wieder im Hals ersticken. Puppenbildnerin Annemarie Arzberger hat den braven Soldaten als kurios hässliches Mischwesen aus Mensch und Hund gestaltet. Seine Gegner, egal ob Stabsarzt oder Oberst, wurden zum Hundefloh und zu einer gefräßigen Raupe degradiert. Sie werden zu unfreiwilligen Assistenten seiner Streiche, mit denen sich Švejk von schrägen Geschäften im Hinterland über einen abenteuerlichen Fußmarsch und eine notgebremste Zugfahrt bis in den Schützengraben und wieder zurück nachhause durchschwindelt.
Circus Archetypus, Szenenfoto mit Roxanne Szankovich und Clown © Barbara Pálffy CIRCUS ARCHETYPUS „Send in the Clowns“ in meine Traurigkeit
Die junge Frau ist grantig, besser gesagt, missgelaunt. Der Dachboden ist mit Bananenkartons, Koffer und Reisetruhen voll gestellt. Wo sie hingreift, tauchen Luftballons auf, die von ihr brüsk weggestoßen werden – und trotzdem fröhlich um sie herum tanzen. Den jungen Mann, der sie umarmen will, bemerkt sie nicht, denn er ist es, um den sie trauert. Aber er ist da, für sie zwar unsichtbar, aber er geht ihr zur Hand, als sie in einer der Kisten den Clown findet. Der Spaßmacher wird zum Leben erweckt. Er erhält sogar eine Stimme, die der Mann mit dem Kazoo beiträgt. Als die Puppe ihre ersten Schritte probiert, kommen aufmunternde Klänge dazu. Manege frei! Hereinspaziert in den „Circus Archetypus“!
Simon Meusburger, Prinzipal des Schubert Theaters, hat ein neues Puppenspiel kreiert, zu dem er von Carl Gustav Jung, einem Schweizer Psychoanalysten, inspiriert wurde. Nostalgische Circuswelten sind gedacht als eine Gehhilfe in die Tiefen des kollektiven Unterbewusstseins, das sich in Archetypen wie dem Clown, der Seiltänzerin, dem Drachen oder dem Magier manifestiert. Stefanie Elias und André Reitter sind die Puppenspieler, die zum Sound der „Toxic Violin“ von Roxanne Szankovich die von Soffi Povo & Claudia Six geschaffenen Figuren ihre akrobatischen Nummern ausführen lassen. Wie oft der Clown auf die Nase fällt, bis er virtuos drei Bälle jongliert!?
Soffi Povo, André Reitter © Barbara Palffy HAND MADE TYRANT Fetzenschädel und andere Autokraten An sich scheint es gesellschaftlicher Konsens zu sein, wenn es um die Ablehnung von Tyrannen geht. Umso erstaunlicher ist daher die Tatsache, dass die meisten der Alleinherrscher ihre Tätigkeit mit demokratischer Legitimation antreten durften. Die Demokratie ist in ständiger Gefahr, sich selbst abzuwählen. Aktuelle Beispiele gibt es in Hülle und Fülle, zum Teil in Ländern, in denen es bereits zum guten Ton gehört, dass vor Wahlen die Gegenkandidaten weggesperrt werden, zum anderen in Staaten, die gefährlich nahe an der Schwelle zu einer Autokratie stehen, weil das Volk zur Schafherde mutiert ist und sein Heil in der Führerschaft von Krakeelern und Dummköpfen sucht.
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