Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Liebelei, Ensemble © Bettina Frenzel

Lena Antonia Birke,Sebastian von Malfèr, Jakob Oberschlick, Soi Schüssler © Bettina Frenzel

LIEBELEI Liebe als Tragödie für das „süße Mädel“

Jakob Oberschlick, Soi Schüssler © Bettina Frenzel

Jakob Oberschlick, Soi Schüssler © Bettina Frenzel

Theodor: „Frauen haben nicht interessant zu sein, sondern bequem...“

Noch herrscht der Kaiser in Wien. Adelige und vermögende Bürger gehen dem Auftrag nach, sich nach Kräften zu amüsieren. Die Objekte dazu finden sich auf der Straße, mit Wäscherinnen, Putzmacherinnen und weiblichen Hausangestellten. Es muss doch für diese armseligen Schönheiten eine Wohltat sein, von einem der jungen Herren zum Tête-à-Tête eingeladen zu werden, in noblem Rahmen ein Glas Champagner zu schlürfen und anschließend mit ihm ins Bett zu gehen. Zudem hatten reich verheiratete Damen ein Faible für potente, jugendliche Offiziere, um diesen nach einem G´spusi in der Vorstadt zumindest für eine Nacht in ihrem Boudoire neben dem Körper auch Abwechslung in Form eleganter Gespräche zu liefern. Arthur Schnitzler war Teil dieser Männer-Gesellschaft, die Verhältnisse verschiedenster Art wie Trophäen vor sich hertrugen. Aber er war auch Schriftsteller, Dramatiker, und er beobachtete und sammelte Stoff für seine Stücke, die uns bis heute schonungslos Aufschluss über das soziale Treiben dieser Zeit verschaffen. Man sollte es nicht glauben, aber er war so ehrlich, die Problematik dieser fragwürdigen Einstellung einzusehen. So kennt er in „Liebelei“ keine Gnade mit dem Protagonisten. Kaum hat der sich in ein süßes Mädel verliebt, wird er von einem gehörnten Ehemann im Duell erschossen. Schnitzler widmet sich sogar dem betroffenen Mädchen und macht dieses zur verzweifelten Heldin unglücklicher Liebe.

Monica Anna Cammerlander, Thomas Kamper © Bettina Frenzel

Monica Anna Cammerlander, Thomas Kamper © Bettina Frenzel

Sebastian von Malfèr, Lena Antonia Birke © Bettina Frenzel

Sebastian von Malfèr, Lena Antonia Birke © Bettina Frenzel

Mit welcher der Figuren sich der Autor identifizierte, darf vermutet werden; wohl mit Theodor, einem Burschen, der keine tiefen Gefühle an sich herankommen lässt. Er zieht bequeme Frauen allen anderen vor und hat dazu für den Moment die attraktive Modistin Mizi gefunden. Sebastian von Malfèr ist in der großartigen Inszenierung von Rüdiger Hentzschel in der SCALA Wien dieser Luftikus, der sich an der Leichtigkeit Mizis (Lena Antonia Birke) erfreut, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wie er sie wieder loskriegt. Anders reagiert sein Freund Fritz. Jakob Oberschlick spielt überzeugend den Weichling, der zu keiner Frau nein sagen kann, weder der verheirateten Geliebten noch der neuen Bekanntschaft namens Christine (Soi Schüssler). Nach einer Ohrfeige seitens des Ehemannes (beeindruckender Kurzauftritt für Rüdiger Hentzschel) steht er sogar diesem Herrn zur Verfügung. Christines Vater Hans Weiring (Thomas Kamper) ist Geiger in einem kleinen Theater und liebt seine Tochter. Er verteidigt sie sogar gegen die Gehässigkeiten der Nachbarin, Frau Binder (Monica Anna Cammerlander als wahrhaft bösartige Tratschen), muss aber zuletzt einsehen, dass sein Kind erwacht ist und an die ewige Liebe glaubt. Und er kennt sie so gut, um nach Christines Abgang resignierend das Stück mit dem Satz zu beschließen: „Sie kommt nicht wieder.“

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