Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Schloss Schönbrunn, prächige Residenz der gekrönten Habsburger

KAISERLICHER GLANZ und die Menschen dahinter

Reiterstandbild von Kaiser Joseph II. auf dem Josefsplatz in der Wiener Innenstadt

Geschichten und Anekdoten über die gekrönten Habsburger

Fast 650 Jahre hat das Geschlecht der Habsburger europäische Geschichte geschrieben. Man hat sie geliebt und gehasst, hat ihnen zugejubelt oder sie gar aus ihren Residenzen verjagt. Die letzte und endgültige Vertreibung fand im Oktober 1918 statt, als der letzte Kaiser von Österreich, Karl I., der Republik Deutsch-Österreich weichen musste. Bis dahin hatte sich das Volk immer wieder mit ihren Herrschern abgefunden und ihnen zumindest den Thron nicht streitig gemacht. Wenn es hierzulande Revolutionen gab wie anno 1848 wurden nicht die Untertanen nach ihrem Willen gefragt. Viel mehr entschieden Familienmitglieder, in diesem Fall die Erzherzogin Sophie, die Mutter des späteren Kaisers Franz Joseph, und deren Ratgeber, wie es mit der Monarchie weitergehen sollte. Eines durfte auf keinen Fall aufgegeben werden: Der von Gottes Gnaden legitimierte Anspruch auf die Herrschaft. Das bedingte freilich eine heutzutage unvorstellbare Erbfolge, die keine Rücksicht auf die jeweiligen Fähigkeiten nahm und Menschen die Krone aufsetzte, die nicht dafür geeignet waren.

Kaiserlicher Glanz Cover

Dazu kam eine Heiratspolitik, die sich in einem unbegreiflichen Standesbewusstsein keinen Deut um Degenration und Inzucht kümmerte; Hauptsache, die Kandidatinnen entsprachen dem Rang, der einem Kronprinzen würdig war und waren entsprechend gebärfreudig. Dass damit auch Kretins, Idioten oder Lustmolche auf den Thron gelangten, war das traurige Ergebnis, unter dem die Bevölkerung zu leiden hatte, sich aber kaum wirksam wehren konnte.

 

So stellt sich nun die Frage, wie und warum sich das Haus Habsburg dennoch über so lange Zeit in der Spitze der gekrönten Häupter halten konnte. Eine Antwort darauf hat die Historikerin Sigrid-Maria Größing gesucht, indem sie angefangen von Rudolf I. bis zu Karl I. dem Leben aller zu Königen oder Kaisern gekrönten Habsburger nachgegangen ist und von jedem einzelnen ein ausführliches und in vielen Fällen ernüchterndes Bild seiner Persönlichkeit gezeichnet hat. Der Titel „Kaiserlicher Glanz. Habsburgs Herrscher in Geschichten und Anekdoten“ (Verlag Ueberreuter) mag daher irreführend sein, denn von Glanz ist selten die Rede. Abgesehen von diesem unbedeutenden Mangel ist ihr Buch jedoch ein erfrischender Kontrapunkt zu vielen Werken, die nicht selten in Reminiszenzen einer großen Zeit schwelgen und einer falschen Romantik huldigen. Nach der letzten Seite ist man überzeugt, dass wir uns glücklich schätzen müssen, in einer demokratischen Republik zu leben, unseren Bundespräsidenten alle sechs Jahre wählen zu dürfen und eine Verfassung zu besitzen, die auch über Krisen wie in jüngster Zeit „elegant“ erhaben ist.

So schreibt Größing über Friedrich III. unter „Die Krone war ihm eine Last“, dass „die sieben Kurfürsten einen schwachen Mann zu wählen beabsichtigten. Friedrich kam ihnen dabei sehr entgegen, Gerüchte besagten, dass er saft- und kraftlos, entschluss- und energielos wäre.“ Bei Ferdinand I., einem Opfer der Familientradition, wird die Autorin noch deutlicher. Ihrer Meinung nach hätte dieser Mann „niemals die Nachfolge seines Vaters (Franz II./I.) antreten dürfen, viel wäre ihm und der Monarchie erspart geblieben, aber die Gesetze der Primogenitur wurden peinlichst eingehalten, wenn ein Stammhalter in der Kaiserfamilie geboren war.“ Einige Lichtgestalten wie Maria Theresia oder Maximilian I. hellen das über weite Strecken düstere Bild etwas auf. Aber auch sie müssen sich im hellen Licht dieser strengen historischen Beurteilung einige Rügen gefallen lassen – was allerdings ihre ewige Ruhe in der Kapuzinergruft kaum stören dürfte, wo sie nach wie vor die Verehrung von Menschen genießen, die sich unverdrossen nichts weniger als eine Rückkehr der Monarchie mit den Nachfahren just dieser gekrönten Häupter erträumen.

Kaier Franz II./i. in Innenhof der Hofburg

 

HABSBURGS KAISERINNEN Mehr als nur Mütter des Nachwuchses

Maria Amalie, Habsburger Regentin auf dem Wittelsbacher Thron (aus Habsburgs Kaiserinnen

Die Frauen an der Seite der Kaiser: unbekannt, rätselhaft oder übermächtig

Ihre Namen sind großteils nur Historikern bekannt, sie scheinen im Stammbaum der Habsburger zwar auf, aber sie wurden zumeist von der Forschung nicht mehr als eine Randnotiz behandelt. Manche von ihnen waren selbst zur Kaiserin gekrönt worden, andere erhielten diesen Titel aufgrund ihrer Ehe mit einem Kaiser und die berühmteste von allen, Maria Theresia, war überhaupt nie Kaiserin und blieb doch als solche bis heute im Gedächtnis Österreichs erhalten. Die Habsburg Spezialistin Sigrid-Maria Größing ist dem Phänomen Kaiserin nachgegangen und hat diese Frauen in ihrem jüngsten Buch „Habsburgs Kaiserinnen, Rätsel und Schicksale der geheimen Herrscherinnen“ (Ueberreuter 2017) aus dem Dunkel der Geschichte herausgeleuchtet. Das Erstaunliche dabei: Auch etliche ihrer Gatten, die zu ihrer Zeit ein riesiges Reich beherrscht haben, sind mittlerweile dem allgemeinen Vergessen anheim gefallen. Wer außer einem Historiker kann sich auf Anhieb mit Friedrich III. etwas anfangen, abgesehen vielleicht von seinem Wahlspruch AEIOU, mit dem er der Welt bis heute ein ungelöstes Rätsel aufgegeben hat.

Maria Anna, Gemahlin von Ferdinand I. (aus dem Buch Habsburgs Kaiserinnen)

Oder mit Maximilian II., von dem man hier erfährt, dass er vor der Heirat ein zügelloser Lüstling war, von seiner Frau Maria von Spanien aber zur Räson gebracht wurde und die beiden in einer durchaus harmonischen Ehe lebten.

Maria Ludovika, Gemahlin von Franz I.

Es ist wohl dem erzählerischen Können der Autorin zu verdanken, dass sich die Geschichten um die einzelnen Kaiserinnen auch für einen Laien kurzweilig lesen. Man trifft die arme reiche Kaiserin Bianca Maria Sforza von Mailand, die das Unglück hatte, mit dem viel älteren Maximilian I. verheiratet zu werden. Sie galt, so Sigrid-Maria Größing, als Goldmädchen, das der sich stets in Geldnot befindliche Kaiser nicht ausschlagen konnte. Sie schreibt, dass das Aussehen dieser jungen Frau dem Brautwerber einigermaßen bedeutungslos war. „Er sehnte sich nicht nach einer neuen Frau, ihm ging es lediglich um die blanken Dukaten.“ Er kümmerte sich nicht um seine Gattin und trug dazu bei, dass sie sich, nachdem ihr Vermögen verbraucht war, zu vernachlässigen anfing.

Halb verhungert, fristete sie ihr Dasein, ohne Mann und Kind zog sie im Lande umher und nirgendwo erkannte man in der heruntergekommenen Frau mit dem eisgrauen Haar die einstmals steinreiche Gemahlin des Kaisers.

Das Kapitel, das Elisabeth, kurz Sisi, gewidmet ist, erscheint erstaunlich kurz im Vergleich zu allen den Mythen um diese Kaiserin, mit denen ganze Bibliotheken gefüllt worden sind. Sigrid-Maria Größing zieht kurz und lapidar den Schluss, dass Elisabeth nur im Film eine Märchenkaiserin war und dass „es herzlich wenig war, was diese Frau zu ihren Lebzeiten für das Land, in dem sie Kaiserin war, bewirkt hat.“ Feststellungen wie diese bergen natürlich Sprengstoff in sich und dürften nicht unwidersprochen bleiben. Aber was könnte einem Buch besseres passieren, als diskutiert zu werden, um auf diesem Weg ein bisher eher unbearbeitetes Kapitel der nicht unwesentlichen Geschichte der Habsburger einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.


Sigrid-Maria Größing: Habsburgs Kaiserinnen, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2017, IBN 978-3-8000-7681-8-9, Preis € 21,95

Eleonore Magdalena von der Pfalz, Gemahling Leopold I. (aus dem Buch Habsburgs Kaiserinnen)
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