Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


HEIT BIN E NED MUNTA WUAN, Regie Wolfang Menardi  Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

HEIT BIN E NED MUNTA WUAN, Regie Wolfang Menardi, Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

HEIT BIN E NED MUNTA WUAN Tod & Leich als Wiener Lebenselixier

Aus dem Buch: Dem Wiener sein Tod, Cartoons von Hannes Gans

Avemaria! Poetisches Schweinigeln zu den letzten Dingen von H. C. Artmann bis Gerhard Rühm

Im Publikum wurde gerätselt, ob diese Unterbrechung zum Stück gehört oder ein ernster medizinischer Fall ist. Auf dem Balkon entstand Unruhe, die irgendwann auch Frau Q. auf der Bühne erreichte. Als Stimmen von oben nach einem anwesenden Arzt fragten, zeigte sich deren Darsteller Samouil Stoyanov seltsam erleichtert. Was hatte er erwartet? Aber so oder so, der Vorhang wurde zugezogen. Der kaufmännische Direktor des Hauses konnte nach zehn Minuten Entwarnung geben. Der Patient sei medizinisch gut versorgt, hieß es, die Aufführung könne fortgesetzt werden. Die Hauptgestalt des Abends hatte die Person somit verschont. Der Quiqui lässt also doch mit sich spaßen, zumal die poetische Kollage von Wolfgang Menardi mit dem Titel „Heit bin e ned munter wuan“ als Liebeserklärung an den Tod ausgelobt wird. Verwendet werden ausschließlich Texte von Friedrich Achleitner, H. C. Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener und Zitate aus dem Dokumentarfilm „Die Pompfüneberer – Ein Tag auf dem Wiener Zentralfriedhof“ von Árpád Bondy und Margit Knapp.

Samouil Stoyanov, Matteo Haitzmann © Marcel Urlaub / Volkstheater

Samouil Stoyanov, Matteo Haitzmann © Marcel Urlaub / Volkstheater

Aus dem Buch: Dem Wiener sein Tod, Cartoons von Hannes Gans

Aus dem Buch: Dem Wiener sein Tod, Cartoons von Hannes Gans

Claudia Sabitzer ist ein beredtes Mitglied der Bestattung Wien. Als Pompfüneberer (für alle, die es eventuell nicht wissen: diese wienerische Berufsbezeichnung kommt vom französischen Pomp funebre und bedeutet „Begräbnisprunk“) ist ein solcher für den reibungslosen Ablauf einer Bestattung verantwortlich. Das beginnt mit der Einweisung der jeweils Trauernden in die richtige Halle über das Aufdrehen des neunflammigen Leuchters und der Lebenskerze bis zum Handaufhalten beim Überreichen des mit Erde gefüllten Schauferls am Grab. Ohne Musik ist so ein Event trauriger als er ohnehin schon ist. Also wird bestellt. Number one in den Friedhof-Charts ist mit Abstand das Ave Maria. Wenn Samouil Stoyanov, angetan mit braunem Kittel, als Frau Q. das Radio aufdreht, ertönt diese Melodie, und zwar auf jedem Sender.

Sie wird mächtiger und mächtiger bis zur Unerträglichkeit. Da hilft nur kräftiges Schimpfen, das mit Fäkalausdrücken fett garniert und doch zutiefst poetisch ist. In ihrer Wohnung läuft penetrant der Fernseher, aber die etwas herabgekommene Räumlichkeit bietet auch Platz für Livemusik, dargeboten von Ingrid Eder an der Knopferlharmonika, Bratschistin Flora Geißelbrecht und Sixtus Preiss am Klavier, die alle zusammen makabere und andere tiefsinnige Gedichte wunderbar zu singen verstehen. Frau Q. ist trotz ihres Alters noch vital und sehnt sich nach dem Mann von Gegenüber. Ganze Vogelschwärme sollen ihm ihren Liebesbrief überbringen. Matteo Haitzmann braucht kein Wort zu sagen, es genügt, wenn er schlank und elegant über die Bühne schreitet und am Ende als nackte Leiche von seiner Verehrerin vergenusszwergelt wird. Dem Wiener sein Tod, in jedem Heurigenlied tränenreich besungen, ist ja doch ein lustiger Kampl, vor dem man keine Angst zu haben braucht. Denn nur er macht, so die Hautpaussage dieser „med ana schwoazzn dintn“ verfassten G´schicht, das wahre Fest, die schöne Leich erst möglich.

Claudia Sabitzer als Pompfüneberer © Marcel Urlaub / Volkstheater

Claudia Sabitzer als Pompfüneberer © Marcel Urlaub / Volkstheater

Frank Genser, Lavinia Nowak, Nick Romeo Reimann, Hasti Molavian, Birgit Unterweger, Uwe Rohbeck,

Frank Genser, Lavinia Nowak, Nick R. Reimann, Hasti Molavian, Birgit Unterweger, Uwe Rohbeck, Elias Eilinghoff © Marcel Urlaub/Volkstheater

DIE ANGESTELLTEN Zukunftsangst und Langeweile, bitter!

Die Angestellten, Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

Die Angestellten, Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

Ein „Visual Poem“, dessen Terminierung (im Raumfahrersprech: Abschaltung) lange auf sich warten lässt

Der Text auf dem Programmzettel ist vielversprechend. Von einem Roman aus der Feder der dänischen Poetin Olga Ravn ist die Rede und von einem Raumschiff in den Weiten des Weltalls. Die Besatzung ist teils Mensch, teils Roboter. Die Erde liegt weit hinter ihnen und eine Rückkehr ist höchst unwahrscheinlich. Was sich wie eine spannende Reise in die Zukunft ausnimmt, ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für die Zuseherschaft. Da diese aber zum guten Teil aus aufgeschlossenen jungen Leuten besteht, wurde die eigenwillige Bearbeitung von Alexander Giesche als Visual Poem zum Megaerfolg. Die Jugend, im Gegensatz zu uns zappeligen Alten, hat offenbar unendlich viel Geduld. Wo in die Jahre gekommene Abonnenten entrüstet aufstehen oder sich mit einem Schläfchen die Zeit vertreiben, harrt der Nachwuchs mit wachen Sinnen einer nicht und nicht eintretenden Spannung.

Die Angestellten, Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

Die Angestellten, Szenenfoto © Marcel Urlaub / Volkstheater

Die Angestellten, Szenenfoto © Marcel Urlaub / Volkstheater

Die Angestellten, Szenenfoto © Marcel Urlaub / Volkstheater

Gefühlte 20 Minuten wird mit einer Art Techno eingangs Wirbel gemacht. Das Ensemble steht auf der sich langsam drehenden Bühne und deutet Tanzbewegungen an. Danach wird eine Kamera zum Spielzeug, das Gesichter und Körper allmählich zu verzerren beginnt und damit zwei Projektionsflächen mit attraktiven abstrakten „Gemälden“ füllt. Da sich auch dabei wenig tut, muss endlich mit dem Sprechen begonnen werden. Leuchtstoffröhren zeigen an, wer gerade an der Reihe ist, gescheite Sätze aus Ravns Roman „Die Angestellten“ zu zitieren. Einmal beklagt ein Mensch, dann ein Humanoide sein Schicksal. Die Frage wird aufgeworfen, ob es möglich ist, ein Ding wie einen Menschen zu lieben und einen Menschen wie ein Ding zu lieben.

Da es keine durchgehende Handlung gibt, ist man auf diese hingeworfenen Brocken angewiesen, um sich selbst eine Geschichte zusammen zu reimen – oder vorher den Roman zu lesen. Elias Eilinghoff, Frank Genser, Hasti Molavian, Lavinia Nowak, Nick Romeo Reimann, Uwe Rohbeck und Birgit Unterweger sind die bewunderungswürdigen Damen und Herren, die auf diesem Trip durch das Universum nicht die Bodenhaftung verlieren. Sie haben sogar die Muße, sich halblaut eine endlose Weile über diverse Düfte auszutauschen oder mit einem never-ending Memory provokant die Zeit totzuschlagen. Man beneidet sie, sie sind beschäftigt. Als ruhender Pol in ihrer Mitte dreht sich gemächlich eine Skulptur von Ulrike Zerzer. Sie bezeichnet ihre Objekte als „Erdbewegungen“, die an erstarrte Lavaströme und damit an die von diesem „Sechstausender“-Raumschiff im Stich gelassene Erde erinnern. Wenn zum Schlussapplaus mächtiger Jubel ausbricht, dann fragt man sich, wer von diesem „Gedicht“ fasziniert wurde; keinesfalls jedoch der Teil des Publikums, der sich mit dramatischer Langeweile nicht und nicht abfinden will.

Skulptur von Ulrike Zerzer © Marcel Urlaub / Volkstheater

Skulptur von Ulrike Zerzer © Marcel Urlaub / Volkstheater

Der Diener zweier Herren, Ensemble © Marcel Urlaub/Volkstheater

Der Diener zweier Herren, Ensemble © Marcel Urlaub/Volkstheater

DER DIENER ZWEIER HERREN Goldoni „revolutionär“ interpretiert

Der Diener zweier Herren, Ensemble © Marcel Urlaub/Volkstheater

Der Diener zweier Herren, Ensemble © Marcel Urlaub/Volkstheater

Das Zumpferl wird zum Degen und Truffaldino zum Affen, wenn´s in Venedig tote Tauben regnet.

Über dem mittlerweile aufgelassenen Friedhof Sainte-Catherine in Paris gab es kürzlich große Aufregung. Von tief unten drangen vehemente Erschütterungen an die Oberfläche. Die Erklärung: Carlo Goldoni, der virtuose Erneuerer der Comedia de l´Arte, hat sich im Grab umgedreht, als er von der Premiere seines Stückes „Der Diener zweier Herren“ im Wiener Volkstheater Kenntnis erlangt hat. Zu verdanken hat er diese Rotationen dem ausgewiesenen Experten für Bühnenanarchie und Schauspielvirtuosität, Antonio Latella. Er schafft bereits mit einem nicht vorhandenen Bühnenbild die Herausforderung, sich zwischen den schwarzen Wänden eine Piazza in Venedig vorzustellen. Vertraut sind einzig die Geräusche gurrender Tauben und die damit verbundene Angst, dass sie einen auf den Schädel scheißen könnten. Gegen Ende ist auch damit Schluss, da die Vögel verendet massenhaft vom Himmel fallen.

Birgit Unterweger, Lavinia Nowak, Irem Gökçen © Marcel Urlaub/Volkstheater

Birgit Unterweger (Florindo), Lavinia Nowak (Beatrice), Irem Gökçen (Clarice) © Marcel Urlaub/Volkstheater

Irem Gökçen, Stefan Suske © Marcel Urlaub/Volkstheater

Irem Gökçen (Clarice), Stefan Suske (Dottore Lombardi) © Marcel Urlaub/Volkstheater

In dieser nicht groß anregenden Szenerie ist ein unglaublich tapferes Ensemble am Werk. Es wird extrem geblödelt, herumgehüpft wie ein Haufen Narren, dabei werden Gesichter geschnitten und die Bewegungen ins vermeintlich Komische übersteigert, während einzelne Sätze bis zur Unerträglichkeit wiederholt werden, und das alles wegen ein paar Lacher. Dazwischen gibt es einen moralinsauren Protestsong gegen Patriarchat und Femizid. Damit sind wir bereits bei Smeraldina und Lisa Schützenberger, die abgesehen davon diese mannstolle Dienerin verkörpert. Irem Gökçen ist eine reizende Clarice, die Silvio ehelichen will. Ihrem Geliebten wird allerdings übel mitgespielt. Mangels eines Degens lässt Mario Fuchs die Hosen herunter, um den angeblichen Rivalen mit seinem Bimmel herauszufordern, bis er daran schmerzlich durch das Geschehen gezerrt wird.

Die alten Herren sind ein sangesfreudiger Andreas Beck als Pantalone und ein würdiger Stefan Suske als Dottore Lombardi. Beatrice (Lavinia Nowak) steckt vom Inhalt her in Männerkleidung, während Birgit Unterweger als Florindo eine solche vom Zeitgeist angezogen wurde. Es müssen heutzutage einfach zwei Frauen heiraten und damit zu Herrinnen von Truffaldino werden. Der grandiose Komiker Elias Eilinghoff ist leider vom Zwang allgemein grassierender Lustigkeit nicht ausgenommen. Seine Klasse lässt er aber aufblitzen, wenn er einfach wartet, hungrig ist und in einem Solo mit dem Klassenunterschied zwischen Herrn und Diener hadert. Als schlitzohriger Wirt Brighella, der das ganze Durcheinander auflösen könnte, deckt Uwe Schmieder in einer etwas ausführlich geratenen Pantomime die nicht vorhandene Hochzeitstafel. Diese Szene haben jedoch viele der Zuschauer nicht mehr erlebt. Sie fand nach der Pause statt. Wohl denen, die ihr kindlich´ Gemüt samt Sitzplatz bewahrt haben. Sie durften ausgiebig Applaus spenden und damit dieses „revolutionäre“ Konzept von Irrungen, Wirrungen, Abrechungen und Befreiungen als gelungen bestätigen.

DER DIENER ZWEIER HERREN, Regie Antonio Latella  Irem Gökçen, Elias Eilinghoff, Lavinia Nowak

DER DIENER ZWEIER HERREN, Regie Antonio Latella, Irem Gökçen (Clarice), Elias Eilinghoff (Truffaldino), Lavinia Nowak (Beatrice) © Marcel Urlaub/Volkstheater

Murali Perumal, Christoph Schüchner, Gerti Drassl, Lavinia Nowak © Marcel Urlaub // Volkstheater

Murali Perumal, Christoph Schüchner, Gerti Drassl, Lavinia Nowak © Marcel Urlaub / Volkstheater

DIE (kleine) REDAKTION, die sich mit der großen OMV anlegt.

Murali Perumal, Christoph Schüchner, Lavinia Nowak, Gerti Drassl © Marcel Urlaub / Volkstheater

DIE REDAKTION, Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

Erschütternd, wie so manche mit Geld überschüttet werden.

Es genügt ein Blick auf ihre Seite, um zu erkennen, was investigativer Journalismus imstande ist. Dazu gehört allerdings auch finanzielle Freiheit. Deswegen gibt es bei „Dossier“ keine bezahlte Werbung. Wovon leben die denn dann? Sie haben Leser, die das Druckmagazin kaufen, und vor allem Mitglieder, denen die Arbeit von Chefredakteur Florian Skrabal und seinem Team sogar einen finanziellen Beitrag wert ist. Sie geben freiwillig (online ist ja alles gratis nachzulesen) dafür Geld aus, dass regelmäßig heiße Themen aufgegriffen und einer in die Breite wachsenden Öffentlichkeit präsentiert werden. Calle Fuhr, ein in Düsseldorf geborener Theatermann, hat für das Volkstheater aus der Historie dieses überaus kritischen Portals eine Geschichte für die Bühne aufbereitet, die nun von den Außenbezirken ins Haupthaus übersiedelt ist. Darin geht es im Großen und Ganzen um den Vorstandsvorsitzenden der OMV namens Rainer Seele und dessen Umtriebe und letztlich dessen unrühmliches Ende in diesem halbstaatlichen Konzern.

DIE REDAKTION, Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

DIE REDAKTION, Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

Murali Perumal (Ashwien) © Marcel Urlaub / Volkstheater

Murali Perumal (Ashwien) © Marcel Urlaub / Volkstheater

Murali Perumal (Ashwien), Gerti Drassl (Flo), Christoph Schüchner (Georg) und Lavinia Nowak (Sahel) sind fürs Erste die vier Redaktionsmitglieder, die den Kampf mit dem übermächtig scheinenden Öl- und Gashändler aufnehmen. David gegen Goliath ist ein Euphemismus. Besser beschreibt der Vergleich einer Fliege mit einem Ochsen, der mit dem Schwanz um sich schlägt, das Größenverhältnis. Allein das Gehalt des Herrn Seele übertrifft das Budget dieser Kleinstredaktion um das Millionfache. Unausgesprochen steht dabei die Frage im Raum:

Was hat diesen Manager so wertvoll gemacht, dass man ihm im Jahr 2019 sage und schreibe 7,24 Millionen Euro (der Standard am 28.05.2020) in die Taschen geschoben hat. Dass er mit dem Privatjet von Wien nach Klagenfurt gedüst ist, nimmt sich dagegen wie ein Klacks aus, oder die hochdotierten Verträge, die eventuelle Kritiker im engsten Mitarbeiterstab mundtot machen sollten, oder der dem Magazin angedrohte Prozess mit einer Klagesumme, die einer wie er an einem Abend in einem teueren Restaurant umsetzt. Für Dossier wäre es aber tödlich, zu verlieren. Von oben genanntem Ensemble werden auch die in der Realität an diesen Schweinereien beteiligten Protagonisten verkörpert. Hilfreich sind dabei Overheadprojektoren und drei Bildschirme, auf denen das Publikum den Ablauf von Publikationen und Reaktionen mitlesen kann. Sie genügen, um einen kleinen Blick in die große Geldverschwendung und unmenschliche Härte angeblich fähiger CEOs werfen zu können und, zugegebenermaßen nicht ganz ohne als Neidgesellschaft bedient worden zu sein, am Ende diebische Freude an deren Untergang in Standing Ovations ausbrechen zu lassen.

Gerti Drassl (Flo) © Marcel Urlaub / Volkstheater

Gerti Drassl (Flo) © Marcel Urlaub / Volkstheater

DU MUSST DICH ENTSCHEIDEN!, Regie Kay Voges Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

DU MUSST DICH ENTSCHEIDEN!, Regie Kay Voges Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

DU MUSST DICH ENTSCHEIDEN! in einer hinterhältig grellen Gameshow

Georg Vogler, Elias Eilinghoff © Marcel Urlaub / Volkstheater

Georg Vogler, Elias Eilinghoff © Marcel Urlaub / Volkstheater

Ein richtiges Theater ist´s, wenn das Publikums freiwillig den Offenbarungseid leistet.

Das Setting ist ungemein realistisch. Eine TV-Liveübertragung von „DU MUSST DICH ENTSCHEIDEN! Die Gameshow für Österreich“ ist angesagt. VJ Veal (Max Hammel) und DJ Pig (Fiete Wachholtz) stimmen die Studiogäste, also die Zuschauer, mit glitzernder Stimmungsjacke und entsprechenden Sounds darauf ein und animieren zum Scan eines groß eingeblendeten QR-Codes. Pünktlich erscheint das Moderatorenpaar Michelle Pelosi (Anke Zillich) und Tommy McDonalds (Elias Eilinghoff als Gottschalkverschnitt) und geht straight in medias res. Routiniert werden die vor guter Laune aufgeregt zappelnden Kandidaten vorgestellt. Zwei Millionen Euro liegen bereit, die den Sieger dieses Spiels reich und glücklich machen werden. Die Regeln: Aus jeweils drei Antworten auf eine Problemstellung gibt das Publikum per Handyvoting seine Meinung ab. Mit dem den Älteren vom Kinderfernsehen bekannten Spruch „Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“ haben sich die unschlüssig hüpfenden Damen und Herren für eines von drei Feldern zu entscheiden. Wie richtig ihre Wahl war, entscheidet das Ergebnis der Befragung, die vom DJ verkündet wird. Wer richtig geraten hat, darf als Belohung einen Ball in sein Körbchen werfen.

Hasti Molavian, Hardy Emilian Jürgens, Uwe Schmieder © Marcel Urlaub / Volkstheater

Hasti Molavian, Hardy Emilian Jürgens, Uwe Schmieder © Marcel Urlaub / Volkstheater

DU MUSST DICH ENTSCHEIDEN!, Regie Kay Voges Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

DU MUSST DICH ENTSCHEIDEN!, Regie Kay Voges Ensemble © Marcel Urlaub / Volkstheater

Was sich lustig anhört, wird im Verlauf des Abends zu einer allgemeinen Entblößung, obwohl sogar Friedrich Schiller aufgeboten wird, um mit knarrender Stimme die einzelnen Themengebiete anzugeben. Es folgt ein Statement mit drei Möglichkeiten einer Antwort. Das Angebot ist jedoch problematisch und wäre ohne ausgiebige Diskussion und Abstimmung mit dem eigenen Gewissen nicht zu bewältigen. Aber es wird auf dem Smartphone frisch drauflos getippt.

Nachdem es sich bei der bunten Mischung der Kandidaten (vom steirischen Feuerwehrmann über den Ossi mit Audi Quattro bis zur anstrengenden Weltverbesserin) um Bühnenprofis handelt, werden eigentlich nur diejenigen verarscht, die folgsam ihre Stimme abgeben, also das Publikum. Diesem bleibt am Ende nur die Genugtuung, dass das Ganze aus dem Ruder läuft und in einem Tohuwabohu sein Ende findet.

 

Entstanden ist diese amüsant hinterhältige Gameshow unter der Regie von Kay Voges in der Zusammenarbeit von Johan Frederik Hartle mit dem Ensemble. Wohl aufgrund der Begeisterung über die vielen Ideen und Gags ist das Stück allerdings zu lang geraten, vor allem mit etlichen Einlagen, die wenig zum Fortgang der Handlung beitragen. Im Großen und Ganzen wird man aber bei der Stange gehalten und genießt diese Satire auf die Diversität von Meinungen, vor allem deswegen, weil nichts, wirklich nichts als endgültige Wahrheit proklamiert wird.

Elias Eilinghoff, Kaoko Amano © Marcel Urlaub / Volkstheater

Elias Eilinghoff, Kaoko Amano © Marcel Urlaub / Volkstheater

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