Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Germanendorf in Slsarn, Foto aus dem besprochenen Buch

DIE DUNKLEN JAHRHUNDERTE DES WEINVIERTELS mit goldenen Spuren

Hundeskelett in einer Speichergrube, aus dem besprochenen Buch

Von den Germanen über die Römer bis zu den Babenbergern

Finstere Zeiten halten sich nicht an einen Kalender. Sie können jederzeit über ein Land hereinbrechen und bittere Erinnerungen bei den Menschen hinterlassen. Im jüngst in der Edition Winkler-Hermaden erschienen Buch „Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels“ bezieht sich der Autor Ernst Lauermann jedoch auf die 1000 Jahre ab der Zeitenwende bis ins Mittelalter. Das meiste, was wir derzeit aus dieser Periode wissen, hat sich noch bis vor kurzem unter der Erde verborgen. Abgesehen von den knappen Berichten, in denen die Römer ihre nördlichen Nachbarn eher abschätzig beschrieben haben, gibt es wenig Überlieferung, außer ein Archäologe setzt den Spaten an.

Germanischer Eisenhelm aus Grund, Foto aus dem besprochenen Buch

Er schafft im Zuge einer wissenschaftlich gesicherten Befundung der ergrabenen Relikte ein recht anschauliches Bild dieser Zeit. Das geübte Auge des Forschers sieht in diesen unscheinbaren Details wesentlich mehr als man anhand einer Münze, eines Tonscherbens oder eines verbogenen Schmuckstücks vermuten würde.

Pferdegeschirr aus GRab 15 (Hauskirchen), Foto aus dem besprochenen Buch

Im Weinviertel, also im Barbaricum, wie es die Römer hinter dem Limes abschätzig bezeichneten, haben, so die Wissenschaft, die Germanen gelebt. Bei Feldbegehungen, sehr oft aber auch bei Straßenbauten stieß man immer wieder auf archäologisch wertvolle Hinterlassenschaften dieser frühen Weinviertler. Das Buch führt dazu den Leser in bäuerliche Siedlungen. Eine davon liegt bei Bernhardsthal und wurde teilweise ausgegraben. Ursprünglich haben dort am Westufer der Thaya Kelten gehaust, bevor im 2. Jahrhundert Germanen und sogar ein römisches Marschlager nachzuweisen sind. Man konnte feststellen, dass diese Siedlung, die im Überschwemmungsgebiet angelegt war, aufgegeben wurde und die Bewohner entweder ganz weggezogen sind oder sich neue Gehöfte an erhöhten Plätzen errichtet haben. Es war also nicht immer Feindseligkeit, die zur Emigration führte, schließlich stand man in besten Handelkontakten mit dem Römischen Imperium. Importiert wurde unter anderem Tafelgeschirr (Terra Sigillata), während man Felle, Frauenhaar und Lebensmittel Richtung Rom lieferte.

Kriegerische Zeiten brachen mit den Markomannen, den Awaren und Hunnen über die heute so friedliche Gegend herein. In den Gräbern der Kämpfer fanden sich Langschwerter, Reflexbögen und Rüstungsteile wie ein eiserner Helm, der in der Ortschaft Grund beim Bau der Umfahrungsstraße nach bald zwei Jahrtausenden wieder ans Licht gekommen ist.

„Gräber sprechen, wo Geschichte schweigt“ hat Lauermann auch eines der Kapitel betitelt. Den Toten hat man neben den Waffen auch wertvollen Schmuck mit in die Ewigkeit gegeben. Ein rechteckiger Beschlag aus vergoldetem Silber mit kunstvollem Anhänger und vergoldete bronzene Pferdebeschläge aus einem Grab in Hauskirchen lassen auf die Bestattung einer langobardischen Königin schließen. Mit kriminalistischem Scharfsinn wurde von den Archäologen der Beraubung des Grabes nachgespürt und zufrieden festgestellt, dass der sogenannte Raubtrichter knappe zehn Zentimeter neben den Beigaben vorbeiführt worden war. Wir wüssten heute kaum etwas über die Bestattungsriten hochgestellter Persönlichkeiten. Ähnlich glücklich hat sich der Goldflitter in einem Frauengrab von Untersiebenbrunn erhalten, der ebenfalls darauf schließen lässt, dass man hier „Von Germanen, Hunnen und Awaren bis zu den frühen Babenbergern“ standesgemäß zu leben wusste und, für die Archäologen höchst erfreulich, seinen Reichtum mit ins Grab genommen hat.

Stuette eines gefangenen Germanen, Foto aus dem besprochenen Buch
Edition Winkler-Hermaden Logo 300

Statistik